6(66) Dinge, die man als Vorband nur falsch machen kann
Vorbands sind spätestens seit der Metalcore-Welle Schwerstarbeit für den Konzertbesucher. Das klassische Billing, maximal zwei Vorbands und ein Headliner, hat ausgedient, da die Plattenfirmen soviele Bands wie möglich rausschicken müssen, da sie auch jeden kleinsten Act mit Billigdemo einen Deal verschaffen. Konzerte mit vier bis fünf Vorbands sind deshalb keine Seltenheit mehr. Wenn man als Vorband einer Vorband dann einen bleibenden Eindruck hinterlassen will, muss man alles geben, aber auch eben manches sein lassen.
1. Spielen ist Silber, Reden ist Gold
Die für euch knappen und für uns oft zu langen 20-30 Minuten Spielzeit sollten mit Musik gefüllt sein. Ansagen über eurer Heimatdorf, Tierschutz, Polizeigewalt und darüber, wie schön es ist, wieder hier zu sein interessieren so sehr wie Frauenrechtler im Dollhouse. Wir kennen euch nicht und schon gar nicht eure Musik und wegen letzteres haben wir heute abend einiges an Geld bezahlt. Also, Schnauze halten und Instrumente benutzen.
2. A(ni)mateure
Die Hütte ist noch nicht mal zur Hälfte gefüllt und schon müsst ihr ran. Wer gänzlich unbekannt ist, hat da die besonders bunte Arschkarte gezogen und der “Hamburger Graben” ist bei Bands besonders gefürchtet: gefühlte zwanzig Meter Abstand zwischen dir und dem Publikum und die Arme sind verschränkt statt in the air. Das wird auch nicht durch Ansagen besser, wie: “Kommt mal alle nach vorne!” oder “Jetzt alle abgehen!”. Gehe zurück zu Punkt eins und spielt einfach eure Musik. Wenn dann immernoch keiner abgeht, lag es bestimmt nicht nur an den Leuten.
3. “Das nächste Lied ist ganz neu!”
Wie schon erwähnt, kennen wir euch und euer Material nicht. Weder eure alten Stücke, noch die neue Scheibe. Es ist schön, dass ihr schon 12 Demos und 3 Split-EPs mit lokalen Bands aus Delmenhorst aufgenommen habt. Für uns ist das alles neu und, wenn ihr Pech habt, auch ziemlich bald Geschichte. Künstliches Lebenslauf-Aufplustern als erste von gefühlte zehn Vorbands kommt so gut wie das erste Bier nach dem Zähneputzen.
4. Wir sind unwürdig!
Eine Band ohne Selbstvertrauen ist keine Band. Ihr wollt harte Musik machen, aber habt soviel Mumm wie jede gute Bar? Spart das Geld und kauft euch Tickets und Platten von Bands, die nicht zehn mal erwähnen, dass später noch der Headliner spielt und man total stolz darauf ist, heute spielen zu dürfen. Die meisten Headliner kennen nicht mal eure Musik, geschweige denn mag diese auch noch. Die Plattenfirma hat euch ausgesucht, weil die Fans für 20 Euro schließlich auch 20 Bands sehen soll. Ihr seit also keine dicken Buddies von den Supertstars aus Übersee. Wer als Opener also das Publikum zu Sprechchören für die Hauptband animiert, der sollte seinen Karriereplan noch einmal überdenken.
5. Covert den Headliner
Ja, soetwas gibt es auch hin und wieder noch. Das ist auch genau das, was das wartene Publikum hören will: schlecht gecoverte Songs der Band, für die man viel Geld bezahlt hat, um die Songs im Original zu hören. Wer also als Vorband von Slayer “Raining Blood” covert, kann auch davon ausgehen, dass statt Hände vollgepisste Bierbecher fliegen.
6. “Wollt ihr noch eins?”
Nein.
Chris
super artikel! geht alles garnicht. was man sich auch als vorband nicht erlauben sollte ist sowas hier:
http://www.youtube.com/watch?v=JYDY_1bxKDQ
(randnotiz: ist ja schon als hauptband fragwürdig, aber bierbecher auf die band werfen is auch absolutes no go, es sei denn man spielt in bobs country bunker http://www.youtube.com/watch?v=F5N35kQAPv0 )
30. Juni 2009 um 09:44
Christoph
Haha. Jetzt erst gelesen. Mann bin ich schnell.
24. November 2010 um 15:45