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Angst

Autofahren ist Freiheit. Schönes Wetter, gute Musik, leere Bahn. Der Arm hängt draußen, die Sonnenbrille im Gesicht und der Rest hängt loose. Einfach mal abschalten und das Leben Leben sein lassen. Doch im Rückspiegel siehst Du plötzlich die Rennleitung. Man achtet sofort penibel auf die Geschwindigkeit und verhält sich krampfhaft ruhig. Die Polizei zieht an dir vorbei, sollst Du gucken oder nicht? Besser nicht. Und auch wenn sie am Ende nichts von dir wollten, allein ihre Präsenz reicht, um dir dieses kurze Gefühl von Angst durch den Körper zu jagen.

Es ist egal, ob Du unrecht getan hast oder nicht. Selbst wenn dein Leben aus Müll trennen besteht und Du immer brav deine Steuern zahlst, so reicht die bloße Anwesenheit einer Ordnungskraft dafür, dass das Unbehagen Einzug erhält. Denn wie wir alle wissen, trifft Polizeigewalt längst nicht mehr nur die Schuldigen. Als aktiver Fußballfan kann man einige Lieder davon singen. Den BüNaBe kennt man heute nicht einmal mehr vom Hörensagen.

Angst ist ein Wort mit Macht. Es dient mittlerweile als bestes Mittel, einen Staat zu führen. Terrorangst, Klimawandel, jährliche Pandemien mit Tiernamen – das Reportoire ist unausschöpflich, wenn es darum geht, die Menschen in Angst zu versetzen. Durch die abgesegnete Netzsperre kommt eine neue Angst hinzu. Die Angst, beim Surfen auf eine gesperrte Seite zu stoßen oder im Hintergrund ohne das eigene Wissen auf eine solche Seite geleitet zu werden und dafür die Konsequenzen tragen zu müssen, wird sich in den Alltag des Internetbenutzers schleichen und uns alle zu potentiellen Tätern machen.

Verwundern tut es wenig, dass die meisten suggerierten Ängste im eigentlichen Sinne keinen Bestand haben und die wirklich schlimmen Dinge zu wenig Angst und Bewusstsein genießen, wie z.b. AIDS oder Hautkrebs. Kurz vor der Bundestagswahl verkündet das Innenministerium, dass irgendwelche Terroristen (ich tipp mal auf Islamisten, oder so) noch zwei Anschläge irgendwo geplant haben sollen und jetzt alle irgendwie in Panik verfallen sollten. Oder die CDU wählen, damit man für bis zum nächsten Wahlkampf wieder sicher ist. Dabei ist der Terror in Deutschland so präsent wie, sagen wir mal, guter Geschmack.

Es ist kein Geheimnis, dass Menschen im Angstzustand mehr bewilligen, als zu Zeiten des Friedens. Man agiere im Sinne des inneren Schutzes, des Volkes und der Zukunft, heißt es immer wieder. Dabei wird fast täglich ein neues Feindbild aufgebaut mit Hilfe der Medien. Alles ist sofort entweder Krise, Terror oder Seuche. Dass alle vom Staat eingeführten Methoden nichts besser machen, sieht ein Blinder ohne Hund. Die Angst soll sich immer tiefer in das Gemüt einbrennen, bis wir endgültig nicht mehr das Haus oder gar das Land verlassen wollen. Oder können.

Aus Angst, mit Wenigem auskommen zu müssen, lässt sich der Durchschnittsmensch zu Taten hinreißen, die seine Angst erst recht vermehren.
Epikur

Wenn man von einer Zweiklassengesellschaft spricht, sollte man nicht mehr das Vermögen als Kriterium nehmen, sondern die Macht. Denn die Gesellschaft spaltet sich immer mehr in zwei Lager, die Mächtigen und die Ängstlichen. Das fängt schon beim Job an, wo man sich entscheiden muss, ob man Arbeiter oder Entscheider wird. Die Angst, seinen Job zu verlieren, ist für Menschen in höheren Positionen der Schlüssel zur Manipulation und nicht wenige machen auch davon gebrauch. Und was macht man nicht alles, nur weil man Angst hat? Die Liste der Ängste ist schließlich endlos.

Und nun etwas Musik.


Eine Reaktion

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    N

    Sehr gut. Das Zitat ist super.

    Fragt sich nur, was uns dieses Bewusstsein bringt …

    7. Juli 2009 um 14:20