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Betreff: Kündigung der Mitgliedschaft

Am Wochenende hielt ich die aktuelle Ausgabe der Supporters News in der Hand, das offizielle Magazin des Supporters Club des Hamburger Sport-Vereins. Der Titel war vielversprechend: “Fußballfans – Polizei – Gewalt”. Eine Ausgabe, die sich intensiv mit der aktuellen Entwicklung der Polizeigewalt bei Fußballspielen beschäftigt. Da dieses Thema gerade dafür gesorgt hat, dass ich zur Zeit wenig bis keine Lust auf Fußball habe, war ich beeindruckt, wie offen hier mit dem Thema umgegangen wird.Der Supporters Club ist eben noch das Sprachrohr der Fans und genießt knapp 50.000 Mitglieder.

Weiter hinten findet sich eine Seite, die sich den neuen AGB, insbesondere der neuen Kartenpolitik bei Heimspielen widmet. Um angeblich den Schwarzmarkt zu bekämpfen, hat sich der HSV etwas ganz besonderes einfallen lassen, was bei mir für hysterisches Gelächter gesorgt hat:

Voraussetzung für den Spielbesuch ist ferner, dass der Besucher das auf der Vorderseite mit seinem Namen versehene Ticket vorlegt. Sofern im Falle einer berechtigten Übernahme des Veranstaltungsvertrages und der damit einhergehenden Weitergabe des Tickets bereits ein Name eingetragen ist, ist dieser durchzustreichen und der Name des in den Vertrag Eintretenden auf der freien Fläche der Vorderseite einzutragen, ohne dass der Barcode des Tickets überschrieben wird.

Ein wenig Nachdenken hilft, um zu merken, dass diese Methode einzig und allein der Personalisierung von Tickets dient, als dem Schwarzmarkt zuvorzukommen. Wenn das eine wirksame Methode wäre, dann wären die Konzertveranstalter schon vorher drauf gekommen. Personalisierte Tickets beim Fußball aber, sorgen bei Fußballfans nur für Unmut, wie mancher Fan der Eintracht aus Frankfurt es schon erleben durfte.

Wie auch immer, wenn sich der SC, den ich seit einigen Jahren mit meiner Mitgliedschaft finanziell unterstütze, sich für so eine Methode ausspricht und ich nun bei Heimspielen meinen Namen auf eine Karte kritzeln muss, dann bin ich nicht mehr bereit, den Verein zu unterstützen. Ich lass mich weder verraten noch verarschen. Meine Kündigung ist da nur logisch. Und wie sie aussieht, sieht man hier:

Sehr geehrter Supporters Club,

als der HSV vor ein paar Jahren auf einem Abstiegsplatz rutschte, habe ich mich entschieden, den Verein in Zukunft auch mit meiner Mitgliedschaft zu unterstützen. Es war nur eine formelle Sache, da ich den Verein schon seit 1993 mit meiner Leidenschaft unterstützte. Dem SC beizutreten war also die Hochzeit mit meinem Verein nach einer jahrelangen Beziehung mit Höhen und Tiefen.

Wenn ich von Tiefen spreche, so meine ich eine Auszeit, die ich Ende der Neunziger antrat, da ich die Schnauze voll hatte von den Hooligans im Block E und ich einfach satt war von den Schlägereien im eigenen Block. Das hat sich ja nun in den letzten zehn Jahren ganz gut entwickelt und wir genießen eine sehr aktive und engagierte Fanszene, die sich überwiegend in Kreativität ausdrückt, denn in Gewalt.

Der SC hat mich immer sehr beeindruckt, da der HSV der letzte reine Sport-Verein der Bundesliga ist, wo die Mitglieder noch ein gewaltiges Mitspracherecht genießen und dieses auch nutzen. Die Mitgliederversammlungen zeigen, dass man gewisse Vorhaben des Vorstands nicht so einfach schluckt und auch offene Fragen, aktuell die um die Posse um Beiersdorfer, beantwortet werden müssen. Auch wenn Bernd Hoffmann sich hinter seinem Phrasenschwein versteckt, anstatt einmal in seinem Leben Eier zu zeigen.

Euer Engagement und die Organisation der Auswärtsfahrten, sowie euer eigenes Merchandise und die Fanbetreuung waren immer vorbildlich und gaben mir ein gutes Gefühl, dass wirklich noch Fans für Fans arbeiten. Dass der Verein da mit neidischen Blicken rüberblinzelt und diese funktionierende Struktur gerne ihr eigen nennen wollen, haben wir ja vor ein paar Monaten im Haus des Sports erfahren dürfen. Bei dieser Versammlung war ich erstaunt von dem Widerstand des SC gegen die Vorhaben der Vereinsführung. Zumindest die Mitglieder vor der Bühne haben ihrem Unmut Luft gemacht und gezeigt, dass man sich besser nicht mit der Westkurve anlegt.

Das Jahr 2009 ist gerade mal zur Hälfte rum und doch ist eines der schwersten für einen Fußballfan der Bundesliga. Die Polizeiwillkür und deren Gewalt macht nicht nur die Auswärtsfahrten zu einem unentspannten Erlebnis, auch bei Heimspielen macht sich eine Grundstimmung breit, die mir als Fan zeigt: Du bist hier nur geduldet und nicht erwünscht. Behelmte Polizisten in der Nordtribüne, Generalproben zur Erstürmung von 22C in der Sommerpause und die Geschichte mit den Bremern, die eine halbe Stunde vor Einlass in das Volksparkstadion gelassen wurden, zeugen nicht gerade davon, dass die Rothose ein exklusives Heimrecht genießt. Ich gehe ins Stadion, um Fußball zu gucken und mich für nicht gerade wenig Geld scheiße behandeln zu lassen, während den VIP-Besuchern und Familien auf den Tribünen der Arsch gepudert wird.

Meine Toleranz war allerdings immer recht belastbar und solange der SC hinter dem Fan stand und der Fan sich auch für euch „grade gemacht“ hat, solange bin ich trotzdem zum HSV gegangen und habe auch den Polizeiwahnsinn in Bremen über mich ergehen lassen. Zusammen gegen den modernen Fußball – was nicht in euren AGB steht, hat sich umso mehr in eurer Philosophie widergespiegelt. Bis jetzt.

Ich verstehe die Problematik mit dem Schwarzmarkt sehr gut, insbesondere wenn man selbst mal zwei Karten für ein internationales Spiel erwerben möchte. Gegen drastische Mittel, um diesen Markt zu bekämpfen, habe ich an sich auch nichts. Doch wenn eine schwammige Methode gefeiert wird, die am Ende dazu führt, dass die Karten bei Heimspielen personalisiert werden, hört bei mir nicht nur der Spaß auf, sondern auch meine Unterstützung. Dass der Besucher vor dem Betreten des Stadions seinen Namen auf das Ticket schreiben muss, sich aber am Bahnhof, oder wo auch immer, für teuer Geld Blanko-Tickets kaufen kann, ist so dämlich wie der Vorwand für die Netzsperren, die Ursula von der Leyen benutzt hat, um ein Gesetz durchzuboxen, welches, egal wie man es dreht, nur dazu dient, den Internetbenutzer zu bevormunden und eine Steilvorlage zur Zensur zu liefern.

Dass der SC in der Supporters News auch noch dieses Vorhaben, wo sich die Schwarzmarkthändler müde in die Faust husten, befürworten, zeigt nur, dass ihr euch entweder der Diktatur von Hoffmann beugt oder ihr einfach aufgehört habt, der von Macht und Kommerz geprägten Struktur des modernen Fußballs entgegen zu stehen. Bei Auswärtsspielen ist es schon Grund genug, nicht teilzunehmen, wenn die Karten personalisiert werden, aber bei Heimspielen? Ein entspannter Besuch im Volkspark mit Gleichgesinnten in einer Kurve, die seit Jahren vorbildlich den Fußball feiert ist für mich nicht mehr möglich und ich bin auch nicht bereit, einen Verein vor allem finanziell zu unterstützen, der dafür sorgt, dass der Fan im eigenen Rund kriminalisiert wird, weil eine höhere Instanz sich dem Kontrollwahn des DFB, dem Staat oder wem auch immer nachkommt.

Schwarzmarkt – dass ich nicht lache. Warum geben wir nicht gleich am Eingang eine Speichelprobe gegen potentielle Falschparker ab? Oder warum schalten wir nicht unsere Handys aus, da das Stadion ja in der Einflugsschneise des Flughafens liegt? Lieber SC, der HSV-Fan genießt ja das Klischee des eher einfachen Mannes, aber haltet ihr uns echt für so dumm? Ihr seid doch selber Fans. Findet ihr das wirklich gut, was ihr da macht? Wenn ja, dann beende ich meine Beziehung zu euch mit einem reinen Gewissen.

Konzerttickets sind das beliebteste Objekt des Schwarzmarktes und habe ich da jemals meinen Namen am Eingang draufkritzeln müssen? Nein. Da kommen nicht mal die Rolling Stones drauf, die ja eine ähnliche Preiskultur pflegen wie der HSV. Macht es so wie die Engländer oder Bands wie Rammstein, die die Karten erst einige Tage vor dem Event den Käufern zuschicken und die Anzahl der Karten pro Person streng limitieren. Damit sind die Karten nicht nur fälschungssicherer, es wird auch dem eBay-Wahnsinn vorgebeugt. Aber personalisieren mit Bleistift? Da muss ich grad mal lachen. Oder eben auch nicht.

Hiermit kündige ich [...] meine Mitgliedschaft fristgerecht [...].

Nur der HSV.

Mit freundlichen Grüßen,

xxx

Besonders dreist ist es, dass diese Änderung nicht wirklich kommuniziert wurde bzw. erst nach dem VVK-Start für die Dauerkarten und die ersten Heimspiele. Habe ich den Newsletter zu diesen Änderungen verpasst? Anscheinend. Auf der Website des SC findet sich auch kein Wort dazu. Das klingt nach Bernd Hoffmann, der ja bekanntlich ein Eunuch ist und alles hat, nur keine Eier.

Schade, irgendwie.

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