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Ein Gespräch mit dem Hamburger SV über die Personalisierung der Tickets

Vor einigen Wochen habe ich das Thema schonmal angesprochen und meine Konsequenzen öffentlich gemacht, nachdem ich erfahren habe, dass der Hamburger Sport-Verein ab sofort den Stadionbesucher zwingt, seinen Namen auf sein Ticket zu schreiben, um so den AGB zuzustimmen, die dafür sorgen sollen, dass der Schwarzmarkt im Internet endlich zusammenbricht und der Fan nicht mehr zuviel Geld ausgeben soll für seine Karte. Da ich aus Prinzip nicht bereit bin, neben einem oft horrenden Preis auch noch meine Unterschrift abzugeben, um ein Fußballspiel zu besuchen und ich das auch als ersten Schritt in Richtung Vollpersonalisierung sehe, habe ich mich nicht nur mit anderen Fußballfans zusammen getan, sondern habe auch den  B.A.F.F., dem Bündnis aktiver Fußballfans, darüber informiert. Es gab aber noch Klärungsbedarf von der Vereinsseite und so wurde ich am vergangenen Dienstag mit zwei weiteren Fans zum HSV ins Volksparkstadion geladen, um mit Mike Lorenz (Fanbeauftragter), Kai Voerste (Verantwortlicher des Ticketings) und Dr. Jan Räker aus der Rechtsabteilung offene Fragen zu klären und um seinen Standpunkt klarzumachen.

Bevor ich das Gespräch zusammenfasse, muss ich trotz unterschiedlicher Meinungen sagen, dass ich schätze, dass der Verein auf mich bzw. uns zukam, um sich zwei Stunden Zeit zu nehmen, seinen Standpunkt und die daraus resultierende Entscheidung, diese Methode der Personalisierung einzuführen, noch einmal in aller Ausführlichkeit zu erklären. Das ist schon etwas anderes, als eine Seite in den Supporters News zu lesen und sich dann seinen Rest zu denken. An meiner Meinung hat sich trotzdem nichts geändert.

Die Diskussion begann damit, dass uns in einem ausführlichen Block erklärt wurde, wie schlimm der Schwarzmarkt sei und was dieser für Auswirkungen auf den Verein und die Fans hat. Der Hamburger Sport-Verein kämpft zur Zeit mit allen Mitteln, einschlägigen Auktionshäusern und Ticketbörsen es gerichtlich zu verbieten, mit HSV-Tickets Handel zu treiben. Die Chancen dafür standen bisher immer schlecht, weil der Käufer einer dieser Tickets nicht den Allgemeinen Geschäftbedingen zustimmte, zumindest nicht schriftlich, und somit bestätigte, dass die Karte nicht aus einer dubiosen Quelle stammt. Bisher hat jeder Besucher, der mit einer gesperrten Karte nicht das Stadion betreten konnte, die Möglichkeit, mit einer schönen Geschichte sich aus der Äffäre zu ziehen und den Verein eventuell auf einen Schadensersatz zu verklagen. Mit seiner Unterschrift auf der Karte stimmt er den AGB zu und der Verein ist auf der sicheren Seite, da der Besucher dann erzählen kann, was er will – er hat schließlich die AGB unterschrieben.

Dr. Jan Räker zu dieser Entscheidung:

Wir haben unsere AGB nicht freiwillig verändert. Ein Gerichtsurteil hat uns nur die Alternativen gelassen, entweder den Schwarzmarkt gar nicht mehr zu bekämpfen oder die Tickets zu personalisieren. So weiterzumachen wie bisher ging nicht und Schwarzmarktbekämpfung ohne Personalisierung konnten wir nicht haben. Weil es für uns nicht in Frage kam, den Schwarzmarkt einfach zu tolerieren, haben wir uns als Kompromiss für die Art von Personalisierung entschieden, die für die Fans die geringsten Unannehmlichkeiten bedeutet.

So weit, so… weit.

Der Verein möchte nicht, dass der Fan zuviel Geld für sein Ticket ausgibt, schon gar nicht bei unautorisierten Händlern. Bei einem Ticketpreis von 98 Euro für einen Sitzplatz gegen Werder Bremen und einer mieseren Preispolitik als beim FC Bayern München, kann ich da nur müde lächeln. Das Argument, dass der Fan lieber mehr Geld beim HSV latzt, damit das Geld dann in neue Spieler und so investiert werden kann, ist für mich eine leere Wahlkampffloskel und auch irgendwo unverschämt, da der Fan, der generell auch gerne mal “Kunde” genannt wird, schon genug Geld ausgibt, um ein Spiel zu besuchen. Eine lieblose Merchandise-Palette, die trotzdem leergekauft wird, tut ihr übriges. Lila Ed Hardy-Schals alléz…

Zu den Ticketpreisen äußert sich Dr. Jan Räker wie folgt:

Die Tatsache, dass Konzerttickets im Preis so sehr durch die Decke geschossen sind, liegt auch daran, dass die Konzertveranstalter den Schwarzmarkt nicht bekämpfen. Sie haben auch gar kein Interesse daran, denn sie verfolgen anders als die Sportvereine nicht das soziale Ziel, dass ein Besuch für jeden erschwinglich bleiben soll und wollen nur soviel Geld machen, wie möglich. Wenn sie aber sehen, dass die Besucher bereit sind, höhere Preise zu bezahlen, sehen sie nicht ein, dass hieraus zwielichtige Schwarzmarkthändler den Profit ziehen. Dann wollen sie ihn lieber selbst, was ich völlig legitim finde.

Und weiter:

Sollte also die Bekämpfung des Schwarzmarktes nicht mehr möglich oder bei den Fans wegen der notwendigen Personalisierung nicht erwünscht sein, wird dies auch im Fußball, bei jedem Verein, aus dem gleichen Grund zu höheren Eintrittspreisen führen, weil das soziale Ziel gar nicht mehr erreicht werden kann.

Während des Gesprächs konnte jeder gut seinen Standpunkt klarmachen. Allerdings konnten einige Fragen nicht ganz beantwortet werden. Wie der Plan sei, wenn das System der “soften” Personalisierung nicht fruchtet und der Onlineschwarzmarkt weiter floriert, ob man dann einen Schritt weiter geht und eine Vollpersonalisierung in Betracht zieht? Persönlich seien sie gegen diesen Schritt, sagten sie. Auch der personelle Aufwand, eine Vollpersonalisierung a là WM 2006 sei zu hoch. Man sprach von mindestens 20-25 weiteren Mitarbeitern, die eingestellt werden müssten, was mir bei einem Verein, der zu den 20 besten Europas gehört und zum drittgrößten Sport-Verein in Deutschland zählt, als eine unzureichende Antwort erscheint. Wenn man den Weg gehen will, dann wird man auch soviele neue Mitarbeiter einstellen. Schließlich werden ja auch mal eben ein paar Millionen für ein paar Spieler aus Brasilien locker gemacht, denen hier das Wetter irgendwie zu frisch ist. Fazit: Hundertprozentig ausschließen konnte und kann dies niemand. Und wo ein Weg ist, wird es auch die Mittel geben.

So wie der Verein nicht mehr auf den guten Willen des Besuchers zählen kann, so kann ich nicht immer auf den guten Willen exekutiver Kräfte setzen. Auch wenn mir das bei meinem eigenen Verein sehr schwer fällt.

Am Ende der Diskussion kamen beide Parteien zum folgenden Schluss: Jede Seite hat seine Meinung zu dieser Methode und auch das Recht, diese kund zu tun. Dass man uns eine Paranoia attestiert, weil wir die Auswirkungen in ein paar Jahren sehen und befürchten, ist auch deren gutes Recht. Doch wenn man sich die Entwicklung anschaut, die der Fußballfan mittlerweile erleben darf, dann ist diese Befürchtung alles andere als unbegründet. Ein “was wäre wenn?” ist in der Fußballszene ganz schnell ein “Was’ denn nu’ schon wieder?”. Neben diversen Schikanen, Auflagen und Repressionen, die ein aktiver Fan über sich ergehen lassen muss, wirkt eine Personalisierung wie diese wie ein weiter Schlag ins Gesicht mit einem Knüppel, nur dass dieser diesmal nicht von der Polizei geschwungen wird, sondern vom eigenen Verein. Der VfL Wolfsburg  hat dasselbe System eingeführt und somit stehen zwei Repräsentanten des deutschen Fußballs (der große HSV und der zufällige amtierende deutsche Meister) mit einer Methode in der Öffentlichkeit, die schnell von anderen Vereinen übernommen wird.

Meine Meinung bleibt also dieselbe: Keine Personalisierung von Fußballtickets im Rahmen der Schwarzmarktbekämpfung oder sonstigen Gründen. Die Schwarzmarktbekämpfung darf nicht auf den Stadionbesucher abgewälzt werden, nur weil der Verein sich vor Klagen schützen und den Schwarzmarkthandel eindämmen will. Der Markt wird sich immer verlagern, sei es von der Straße ins Internet oder vom deutschen Netz ins Ausland. In Zeiten von biometrischen und absolut fälschungssicheren Ausweisen, die innerhalb von zwölf Minuten kopiert wurden, sollte man sich wirklich Gedanken darum machen, ob man wirklich ein vermeintlich sicheres System auf dem Rücken des Fußballfans durchsetzen sollte. Aber das war bisher immer der einfachste Weg. Und der sicherste.

2 Reaktionen

  1. 1

    Chris

    was haben die denn dazu gesagt wenn man sein eigenes ticket aus krankheit verklaufen will, muss man dann auch erst mal beim fussball-amt vorbei und den namen des neuen inhabers mit blut draufschreiben lassen? also auf jeden fall etwas übertrieben die ganze sache. und der vergleich mit den konzert tickets hinkt auch etwas… in england haben sind sie gegen die schwarzmarkt händler so vorgegangen, dass man nur noch maximal 4 (oder warens 8?) tickets auf einen namen kaufen kann, diese allerdings unpersonalisiert. hilft auch nicht wirklich aber mein gott. die konzerttickets die ich auf dem schwarzmarkt gekauft habe, waren -bis auf oasis- gleich teuer oder sogar billiger.

    27. August 2009 um 13:02

  2. 2

    paracuda

    Naja, den Namen kannste einfach durchstreichen und einen neuen draufschreiben und es gibt auch noch die Ticketbörse, wo man seine Karten wieder abgeben und weiterverkaufen kann.

    Was England betrifft, ist dort der Schwarzmarkt per Gesetz verboten, was zwar den Straßenhandel nicht eindämmt, aber den im Internet.

    Aber im Grunde ist die Technik wirklich sinnlos, weil sie kaum bis gar nicht kontrolliert wird und man trotzdem dazu verpflichtet ist, seinen Namen einzutragen. Und das alles nur, damit der Verein auf der sicheren Seite ist.

    27. August 2009 um 13:11

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