Offiziell Angst
Nur weil es einen nicht wundert, heißt es nicht, dass es einem keine Angst macht. Die Bundestagswahl 2009 ist das endgültige Indiz dafür, dass der deutsche Bürger erst handelt bevor er denkt. Die eigenen Interessen stehen, und das überrascht mich am wenigsten, weit mehr im Vordergrund, als die des ganzen Landes. Wie sonst lässt es sich erklären, dass eine Partei wie die FDP 15% der Stimmen bekommen? Eine Partei, die dafür steht, so gut wie jedes Wahlversprechen zu brechen und nur im Interesse der Lobbys zu handeln. Dass der Dax heute steigt, weil die Energiekonzerne sich eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke erhofft, spricht für sich. Aber nicht für uns.
Die FDP und CDU stehen seit Jahren für den Abbau von Bürgerrechten. Lauschangriff, Online-Durchsuchungen und das Zugangserschwerungsgesetz sind nur drei von unzähligen Auswüchsen machtgeiler Schlipsträger. Nichts deutet darauf hin, dass das von der FDP angepriesene Bürgerrecht in den nächsten Jahren geschützt und aufgebaut wird. Seit Jahren geht die Spirale bergab und zusammen mit der CDU wird die Umsetzung der kranken Pläne, wie die des Herrn Schäubles, durch den Bundestag gereicht, wie Hertha BSC durch die Bundesliga.
Ich war gestern wählen, obwohl ich kein Vertrauen in die Politik habe. Ich bin nicht der Meinung, dass irgendein Politiker im Bundestag für die Interessen der Menschen arbeitet. Weder eine Kanzlerin, noch ein Trittin und erst recht keine von der Leyen oder ein Schäuble. Wer im Interesse der Bürger handelt, der hört sich diese auch an. Besonders dann, wenn 130.000 eine Petition gegen einen Gesetzesentwurf unterzeichen. Die Demokratie in Deutschland gibt es allerdings nur alle vier Jahre, solange für zehn Stunden die Wahllokale geöffnet sind. Dass 18 Millionen Wahlberechtigte nicht zur Wahl gingen, zeigt, dass das Vertrauen immer mehr schwindet.
Was bedeutet für mich dieses Wahlergebnis? Vier weitere Jahre Polizeigewalt, Bevormundung der Internetnutzung, Einschränkungen der Bürgerrechte im Namen der Terrorbekämpfung und das Ignorieren der Grundgesetze. Hinzu kommt die mit Sicherheit eintretende Verlängerung der Atomkraftwerklaufzeiten, eine nicht vorhandene Regulierung des Finanzmarkts (die FDP ist mitverantwortlich für die Krise in Deutschland), weil sich Frau Merkel lieber auf den internationalen Markt konzentrieren will. Ich sehe eine Politik, die im Sinne der großen Konzerne handelt, erneuerbare Energien einfach ignoriert und Parteien wie die NPD nicht nur toleriert.
Kurz: ich sehe schwarz-gelb für Deutschland.
“Wer nicht auswandert, kämpft weiter”
Das Argument, dass es uns doch gar nicht so schlecht geht, nehme ich seit Jahren schon nicht mehr hin. Gesundheitssystem, Abwrackprämie, befestigte Straßen – am Ende unterscheidet sich diese Scheindemokratie nicht wirklich von der ehemaligen DDR. Mit ein paar Leckerlis werden wir bei Laune gehalten, regen uns zwar über die Praxisgebühr aus, melden uns aber trotzdem wegen jeder Kleinigkeit krank. Dass die Abwrackprämie wirtschaftlich ein Griff ins Klo war, interessiert niemanden, solange es ein wenig Handgeld für einen Haufen Schrott gibt. Das ist der trockene Kuchen, von dem man noch ein paar Krümel abhaben will. Der Hunger treibt es schon rein.
Solange das eigene Interesse verfolgt wird, wird sich nie ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln. Was interessieren einen die anderen, wenn auf dem eigenen Konto am Ende des Monats hundert Euro fehlen? Was interessiert andere die Zensur im Internet, wenn sie noch nicht einmal eine Email-Adresse haben? Vierzig Jahre DDR haben sehr gut gezeigt, dass dieses System immer wieder gut funktionieren würde. Der Mensch will regiert werden, solange das Wasser warm ist und die Straßen sicher.
Schwarz-gelb ist für mich der Untergang der Freiheit in diesem Land. Ich habe nun offiziell Angst, in Deutschland zu leben. Zwei Parteien, die alle Bürger unter permanenten Generalverdacht stellen, stehen für mich für den größten Fail, den dieses Land seit Hitler erlebt. Da bleibt einem nur noch die Flucht.
christoph
DDR war nochmal anders.. ;)
28. September 2009 um 12:26
paracuda
Same shit, different Assholes. ;)
28. September 2009 um 12:28
Sven
Auch wenn der Text lustig und flüssig zu lesen war, ist der Inhalt mehr als brachial auf einen Scheuklappenwichtweise zurechtgeschrieben.
Die FDP ist verantwortlich für die Krise? Jepp, genau, es waren die Liberalen, die in der Legislatur 98-02 Hedgefonds in Deutschland erst möglich gemacht haben. Auch waren es die Liberalen, die in den USA wie blöde Kredite an Leute ohne finanzielle Sicherheit rausgehauen haben.
Die FDP ist gegen Bürgerrechte, kostet eh nur Geld und nachher informiert sich jemand darüber, dass die Gelben eigentlich sämtliche Freiheiten für jeden Menschen auf ein Minimum senken wollten. Internetzensur – per Koalitionsbeschluss noch verschärfen, Lauschangriff aber schärfer mit implantierten RFID Chip, damit auch gleich Bewegungsprofile und Kontakte mit anderen Menschen gescannt werden können.
WENN, DANN RICHTIG….
Aber vielleicht wurde auch nur beschlossen, dass es Koalitionsbedingung ist die schlimmsten Bürgerrechtseinschränkungen der letzten Jahre zurückzunehmen und endlich ein Steuersystem einzuführen, dass auch der dümmste Blogger versteht. So mit Entlastung für die, die was Leisten, nämlich Familien.
Aber vielleicht wache ich auch morgen in einem Gefäß auf, mit Stecker im Nacken und im Glauben der Auserwählte zu sein.
28. September 2009 um 17:05
Paul
Mann bist du paraniod.
28. September 2009 um 17:55
Thomas Nesges
Ich bin zwar alles andere als glücklich mit Schwarz-Gelb, aber hey! Was wäre denn die Alternative gewesen? Nochmal vier Jahre Schwarz-Rot hätte ich persönlich für das schlimmere Übel gehalten. Aus einem einzigen Grund: In Schwarz-Gelb haben wir eine starke Opposition, in Schwarz-Rot hatten wir gar nix. Wer noch positiver denken will, kann sich auch einreden, dass die kommenden vier Jahre zum Totalabsturz der CDU nach SPD-Vorbild führen werden und wir bald vier gleichstarke Parteien haben könnten. Daran glaube ich aber selber erst, wenn Springer brennt.
29. September 2009 um 16:13