Hamburg Rock City
Mein guter Freund Chris hat schlechte Erfahrungen mit dem Berliner Nachtleben gemacht und ist der Meinung, dass Hamburg mehr rockt. Nun, das stimmt vielleicht, wenn man auf Indiepopelektro oder anderen Mainstreamsound steht. Die Entwicklung in der angeblich so pulsierenden Stadt Hamburg ist nämlich eine andere. Hier meine Erfahrung mit dem ach so rockenden Nachtleben:
Ich höre Metal. Nicht nur, aber nach jahrelangen Abfeiern total fetter Elektroraves, zieht es mich nur noch auf die Tanzfläche, wenn die Stimme sich anhört wie ein geschlachtetes Schwein und der Bass doppelt und 32-fach ist. Da jedes Jahr hunderttausende in Deutschland auf Metal-Festivals abgehen, sollte es in der zweitgrößten Stadt Deutschlands ja wohl kein Problem sein. Aber von reinen Metalclubs, und dazu zähle ich nicht Bars mit angeblicher Tanzfläche zwischen Kicker und Scheißhaus, gibt es, aufgepasst, nur noch einen.
Moment, neben dem Ballroom Hamburg gibt es doch noch das Headcrash und das Grünspan. Das Headcrash hat sich aber, da es keinen Eintritt verlangt, mittlerweile zu einem Bumsklo besoffener Touristen-Kinder gemausert. Harte Musik habe ich da auch in der Anfangsphase gehört. Seitdem gab es nur noch Placebo und Emo-Schrott mit mitkreischenden Szene-Mösen. Es hätte der beste Club der Stadt werden können, aber stattdessen ist es nur noch eine weitere Tankstelle auf dem Hamburger Berg, wo man leicht was zu Ficken finden könnte, wenn man unter 18 wäre.
Das Grünspan. Ja, das Grünspan. Mein Wohnzimmer, eine gute Adresse, um Freitags zu 90er-Metal lächelnd und alleine auf der Tanzfläche zu schwofen. Denn voll war es meistens nur beim Hörsturz, wo dann die Pinneberger anreisten, um zu Red Hot Chilli Peppers zu pogen. Aber freitags war immer schön.
Es folgte eine groß angelegte Umbaupause im Sommer, was bedeutete, dass für knapp drei Monate kaum etwas ging, außer Konzerte. Was haben wir spekuliert, was sie aus dem Club machen: alles weiß? Toiletten neu? Alles anders und neu? Weit gefehlt. Nach dem Umbau ging es zu “Rocksounds mit DJ Flip” und die Enttäuschung ließ sich nicht mit Bier aufwiegen. Die Klos waren genauso verschimmelt wie vorher, es fehlte sogar ein Pissior. Als Ersatz klaffte ein Loch in der Wand. Die Tanzfläche war nun abhängt, was den Raum wohl gemütlicher machen sollte. Zwei Sofas an der Tanzfläche hatten wohl eine ähnliche Aufgabe. Was der Kicker in der Ecke ohne Licht sollte, weiß nur der Chef. Auch, dass man ihn nur von einer Seite bespielen konnte, hat mit Logik soviel zu tun, wie Schäuble mit gesunden Menschenverstand.
Aber es gibt ja noch die Musik. DJ Flip hat die auch mal gehört. So bis 2003, denke ich. Aufgelegt hat er wohl auch nur für seine Freundin, denn die tanzte alleine und ausdrücklich vor der DJ-Kanzel. Zwei Whiskey-Cola und drei Versuche, in das Loch in der Wand zu pissen, später ging es mit einem Frustdöner nach Hause. Wiederkommen werde ich wohl auch nicht so schnell, denn das Programm wurde auch umgestaltet. Mehr Indie, weniger kein Metal. Oh Wunder.
Um in Hamburg also richtig zu rocken, müsste ich in Zukunft also in den Ballroom gehen. Da sind oft Mittelalter- und 80er-Partys. Das ist so meins wie Astra und Werder Bremen. 80er-Metal ertrage ich eine halbe Stunde, dann würde ich auch gerne wieder etwas hören, wo die Stimmlage unterhalb des hohen Cs ist. Ich könnte allerdings auch einfach mehr Indie, Pop oder Elektro hören, denn dafür gibt es in dieser Stadt 12046 Clubs, die alle gleich sind. Aber ich sehe es nicht ein, zu Musik von Bands zu tanzen, die ihre Gitarren nicht verzerren.
Hamburg rockt also mehr als Berlin? Geh mal ins Halford oder in die Bretterbude bei dir umme Ecke. Zwei Kneipen, wo ich mit Sicherheit mehr Nackenschmerzen bekommen, als in meiner Heimatstadt. Wo im Grünen Jäger abgefreakte Trash-Partys namens “Entdeck the Dreck” laufen. Wo mir Minimaltechnoneonfreaks die Arbeitsplätze wegnehmen. Wo alles auf den Hafen reduziert wird, aber kaum einer weiß, wie alt der eigentlich ist.
Das einzige was in Hamburg rockt, ist Büdel’s Bierdeckel dem seine Jukebox an einem Dienstagabend.
Chris
so,
ich hab grad nen ellenlangen super schönen Kommetar geschrieben, aber ich hab meine SCheiss Kackdrecksbeschissene Email addresse die ich eh immer falsch angebe nicht angegeben, dann kam “!Fehler: Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.” Histiry.back geklcit und mein Komment war weg,. der war ewllenlang und genauso schön. hier in kurzform nochmal:
1. Du hast recht, (Die Metal Parties im, Grünspan warern cool => Jens am Kicker, Martin und ich alleine auffer Tanzfläche zu I’M; Broken alle anderen standen drumrum und dachte guck ma die Spacken”)
2. Ich meinte mit meinem Artikel: Die Ehrlichkeit und “Trueness” zu der Leute hier zur Musik in Clubs tanzen: Stell dir vor du hörst “Alexisonfire – Pulmonary Archery” und die Leute machen ne Fucking Circus show daraus, da hast du auch keinen Bock mehr zu deinem LKieblingssong zu tanzen. So ging es mir gestern, in beiden Läden in dnene ich war. Mit anderen worten man kann slebst nen Song wie “CindyLauper- Girls just wanna have fun” hören und dazu ernstahft tanzen, das geht. Man kann aber auch alles Scheunenball mäßig veralbern. So kanm ich mit gestern vor, heute war ich mit Sandro im White Trash und es war richtig cool, auch wenn mir der ein oder andere Song nicht lag, aber die Leute habens ernst genommen. DAS ist mir wichtig. Und da hab ich das gefühl, dass da Hambug idR ehrlicher ist, in Berlin driftet das so schell zu einer “Sause” ab. Heute war cool. Ich hoffe das gestern war ne ausnahme, trotzdem: den Molo konnte bisher kein Club das Wasser reichen, auch nicht in anderen Städten in denen ich war,
Und ja du hast vollkommen recht: Ein Meddel schuppen fehlt in Hamburg, Halford hier hab ich gesehen, war auch interessiert daran, hab mir Fotos im Netz angeguckt, aber so aus der “Netz-Ferne” hats mich nicht geschockt: Aber: Komm vorbei, kannst bei mir Pennen, wir gehen dahin haun uns die Rübe voll und tanzen zu Painkllier! True Style. ICh lass mich gern eines bessereen belehren! Sorry for tippfehler, guck ma aufn tacho es ist 6 geteilt durch 23
11. Oktober 2009 um 06:24
paracuda
Da hast Du wohl Recht, Chris. Obwohl “Pulmonary Archery” immernoch unwissende Blicke verursacht, so gesehen im Headcrash. Aber ich weiß, was Du meinst. Daher ist die Angst auch nicht unberechtigt, wenn die eigene Lieblingsband unglaublich erfolgreich wird und auf einmal Kreisch-Weiber auf der Tanzfläche steil gehen, um an einem anderen Abend, “Jein” als bestes Lied von Fanta 4 abzufreiern…
Aber was willste machen? In Berlin ist das genauso schlimm, wie in Hamburg. Weil Du hier einfach keine Sparten-Clubs mehr hast. Da gehste halt auf die Mainstream-Partys, mit der Hoffnung, dass mal ein oder zwei Lieder für dich abfallen. So ist das bei mir, wenn ich z.B. zum Raw Riot Club gehe, wo maximal drei Songs für mich kommen. Mehr wird dann nicht gespielt, weil “sonst die tanzenden Leute abhauen”. In Zeiten von gekürzten Subventionen für Clubs kann sich niemand Experimente leisten.
Da bleibt nur noch eins: Black Jack und Nutten. Und das in unserem eigenen Casino.
11. Oktober 2009 um 17:37
Christoph
Heil Büdi! Heil Majo + Ines!
11. Oktober 2009 um 09:32
Thomas Nesges
Ich fand ja da Night Light sehr nett. Metal pur, eine Theke voller Luftgitarreros und sonst nix. Bisschen klein und überfüllt der Laden, aber wenn Hamburg halt sonst nix für den geneigten Metaller hat, wundert’s mich nicht, dass da mal gern Sardinendose spielt.
12. Oktober 2009 um 09:51
paracuda
“und dazu zähle ich nicht Bars mit angeblicher Tanzfläche zwischen Kicker und Scheißhaus”
Bars gibt es einige, sowie das Lunacy. Aber es geht mir ja um Clubs. So mit Tanzfläche für einen größeren Aktionsradius und wo man nicht dauernd über den Tresen brüllen muss, dass sie die verdammte Musik endlich lauter machen sollen.
Ja, Hamburg kann da einiges (von anderen Städten lernen).
12. Oktober 2009 um 09:55
christoph
Beste Laden in Berlin wo gab war das selige Trash. NEIN nicht das Spacken White Trash sondern das gute “Trash” am Engelbecken. Aber das gibts es schon lange nicht mehr. Und Darmwäsche im Knack früher war auch immer gut! Zu Maiden Seppeltura und Danzig die Rübe schwingen bis der Schweiß die Kellerwände runterläuft. Yes! Aber sowas kannste in Berlin auch knicken. In das White Trash gehe ich nur in Notfällen oder wenn soviel gelber Tee mit Schaum durch meine Blutbahn rauscht das mir alles egal ist.
12. Oktober 2009 um 10:16
Lätti
Also erst mal muss ich sagen, dass ich froh bin, wieder in HH zu sein – auch, wenn ich in Berlin in “Paule’s Metal Eck” und dem Rockstarbus eine Menge Spaß hatte.
Gut, dass ich das Nachtleben nicht voll ausgekostet habe und nicht überall hin gegangen bin (im Duncker wär bestimmt auch ein Track für mich gelaufen oder zwei oder drei), lag natürlich vor allem an meinem Arbeitsplan und der Lebenseinteilung drum rum, weniger an Berlin.
Obwohl – was ich an Berlin immer noch nicht mag sind die Distanzen. An einem durchgesoffenen Abend von der Schanze (nein, kein Klischee, sondern, sagen wir – Hardcore Martinee in der Flora) bis zur Waterkant sieht man mehr Läden von innen als wenn man in Berlin versucht, von der Torstr. bis nach Kreuzberg zu kommen.
Um zum Topic zu kommen: Ich freu mich schon auf den nächsten Dirty Dancing Club im Molo, werd demnächst mal das neue King Calavery auschecken und habe auch immer Spaß in der Cobra Bar. Gut, dass ist dann mehr Rock als Metal. Da haben wir dann eine Geschmacksdifferenz…
Das Headbangers – verzeihung, den “Ballroom Hamburg”, kann man übrigens nur noch wenige Wochen supporten, am 10.1.10 schließt der irgendwann nach dem Fischmarkt für immer seine Tore.
S
25. November 2009 um 22:58