Die Ehe kennt keine Lieder
Es gibt unzählige Lieder über den Tod, den Hass, den Schmerz und die Liebe. Es gibt großartige Songs über die Sehnsucht, die Trennung, die Wiedervereinigung. Und wie oft wurden die Augen, Lippen, Hände und Titten einer Frau schon besungen. Träume, Utopien, Wünsche und das Nirvana sind ebenso beliebte Themen in der Musik. Nur zu einem Thema suche ich immernoch passende Songs: die Ehe.
Sie gilt als der größte Liebesbeweis wo gibt. Die Absolution, das Fundament des Lebens. Alle streben danach, träumen von einer traumhaften Feier, weißen Tauben und dem ganzen Krempel. Doch besingen will das anscheinend niemand so wirklich. Dabei soll diese doch die Romantik schlechthin verkörpern. Ein Ring, ein Haus, ein Haufen Kinder und das gemeinsame Konto. Perfekter Stoff für einen Hit, oder etwa nicht?
I love the way you wear the ring
Can I use our account to buy more bling bling?
The Wannabe Together Forevers – Money Spending Love Song
Die Ehe ist etwas, wo man sich lange drauf freut und dann schnell merkt, dass der “absolute Liebesbeweis” nicht mehr getoppt werden kann. Der Alltag schleicht sich schon in der Hochzeitsnacht ein. Denn die meisten frisch gebackenen Paare sind so erschöpft (oder besoffen), dass man sich bestimmt nicht mehr gegenseitig die Tapeten hochjagt. Sei die Suite noch so schön – die Küche bleibt kalt, wie der Arsch eines Inuit.
Vor allem aber basiert die Ehe auf etwas, was man nie eingestehen würde: Schönreden. Schaut man sich um, so findet man kaum eine funktionierende Ehe, die mindestens zwei Jahre alt ist. Es passiert im Grunde auch immer das Gleiche: bis zur Hochzeit genießen die Paare die vollste Aufmerksamkeit, um danach aus dem alltäglichen Geschehen der Freunde zu verschwinden. Ehepaare lädt man nicht zu spontanen Kneipentouren ein. Sowieso fragt man sie kaum noch, weil immer einer den anderen Fragen oder irgend etwas umorganisieren muss. Meistens bleibt es aber eh bei einer kurzfristigen Absage per SMS: “Uns geht es nicht gut, sorry.”
Remember the night we had dirty sex?
Me neither, but on TV there’s Komissar Rex
Lame Boy – Limpin’ Ain’t Easy
Es spricht eh kaum noch jemand von Liebe, wenn er über die Absichten spricht, einen Menschen zu heiraten. Man sichert sich ab, spart Steuern und es ist auch besser für die Kinder. Wenn ich mir meine Eltern anschaue, dann wäre eine stinknormale Beziehung mit uns als Kindern wesentlich einfacher gewesen. Kein Scheidungsjahr, kein hin und her und von Absicherung kann meine Mutter auch nicht sprechen.
Wenn man einen Ehervertrag abschließt, der im Falle einer Scheidung einer Partei eine finanzielle Entschädigung zusichert, dann ist Liebe und Romantik quasi vorprogrammiert. Das sieht man auch sehr gut bei prominenten Paaren, wo geschädigte Ehefrauen mal eben 200 Millionen Euro bekommen, wenn der Mann sie betrügt. Wie sieht das eigentlich umgekehrt aus?
Wer glaubt, dass sich mit einer Ehe die Liebe verstärkt, der schaut anscheinend die falschen Filme. Ich habe noch keine Ehe beobachtet, wo das Paar mehr Feuer besaß, als vor der Hochzeit. Man kann tätowiert sein, wie man will oder total crazy Sachen gemacht haben. Am Ende tötet der gemeinsame Nachname die Individualität und Freiheit jedes einzelnen. Man ist immer zu zweit, man ist immer “ihr”, “wir” und “uns”.
Ich bewundere Paare, die seit zehn Jahren eine Beziehung auf hohem Niveau führen. Ich bewundere nicht die Paare, die seit zehn Jahren nebenher leben und mit der Hochzeit aufgehört haben, um ihre Liebe und Beziehung zu kämpfen. Absicherung, Ehevertrag, Gütertrennung – Worte, die mich so heiß machen wie Einfuhrbestimmungen und Koalitionsvertrag.

Für viele ist die Ehe ist die letzte Hoffnung auf ein gemeinsames Aufwachen in einem Alter, wo Neugeschäft nur noch schwer zu aqkuirieren ist. Was bei unseren Eltern und Großeltern aber noch halbwegs funktioniert hat, weil sie nicht annähernd den heutigen Reizen ausgesetzt sind, lässt sich nur schwer auf die sprunghafte Generation von heute übertragen. Aber warum nicht probieren, ne. Man spielt ja auch jedes Wochenende Lotto.
Im Endeffekt ist die Ehe ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß einfach was drin ist: Schokolade, die kurz gut schmeckt, dann aber fett und ein schlechtes Gewissen macht. Wie ‘ne Currywurst. Die wird auch eher selten besungen. Und deshalb wird es sie in Zukunft auch nicht geben, die schönen Songs über die Hochzeit, die Ehe und den ganzen Rest.
Linux FONT
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23. Februar 2010 um 04:24
Chris
2 sachen in dem beitrag die nicht stimmen:
1. http://www.youtube.com/watch?v=x9j6DE6RnSk
2. http://www.youtube.com/watch?v=apdc2tZCpKg
ansonsten stimmt alles! :-)
23. Februar 2010 um 19:16
peter
Weidervereinigung?
vorprogrammiert ist ein pleonasmus!
und für den pessimistischen inhalt bemitleide ich dich!
26. Februar 2010 um 17:30
Sammelmappe » Blog Archive » Das Hohelied der Ehe
[...] ich euch nicht vorsingen, aber trotzdem musste ich schmunzeln als ich den den Blogeintrag Die Ehe kennt keine Lieder las. Es kann so sein, es muss nicht so sein. Wieder mal ist es schade, dass in der Sammelmappe [...]
26. Februar 2010 um 18:03
Sylvia
Eigentlich steckt der Eid in der Scheidung.
27. Februar 2010 um 14:07