Alben für die Ewigkeit: Lateralus
TOOL ist eine Band, die man entweder hasst oder einfach total toll findet. Auch wenn es abgedroschen klingt, auf diese Band trifft es nunmal zu. Maynards Stimme ist schwierig, das gebe ich zu. Die Musik oft zu vertrackt, keine Frage. Aber gerade diese Unzugänglichkeit macht diese Musik zu etwas Besonderem. Denn wer einmal drin ist in der Spirale, der will da soll schnell nicht wieder raus.
Über diese Band kann man viel erzählen, aber ein Phänomen ist der Einstieg in dieses Album: Tool waren schon immer zeitlos. Sie haben in ihrer 20-jährigen Geschichte gerade einmal vier Alben heraus gebracht und jedes davon könnte zu jeder Zeit produziert sein. Vielleicht ein Grund, warum Überhits wie “Sober” sich einfach nie abnutzen. Und es könnte jedes Album jetzt hier stehen und als Immergrün herhalten. Doch Laterlaus ist von allen das vollkommenste. Auch weil sich hier rum ein besonderer Mythos dreht.
Die neue Klangordnung
Seit einigen Jahren kursiert im Interwebz ein Video zum Titeltrack, der auflöst, wie nicht nur der Song, sondern das ganze Album nach der berühmten Fibonacci-Folge angeordnet ist. Es erklärt, wie das Album seine tatsächliche Wirkung entfaltet, wenn man die Tracklist neu anordnet. Nämlich nach der Fibonacci-Reihenfolge. Jeder Song würde mit dem gleichen Ton beginnen, wie der vorige aufgehört hat. Alles würde eine neue Dramaturgie bekommen und es stimmt. Die Lieder machen in der neuen Aufstellung mehr Sinn. Sogar die abrupte Pause am Ende von “Triad”.
Die Magie liegt bei diesem Album nicht nur in der Anordnung, sondern vor allem in der Musik, na klar. Danny Carey galt schon in den Achtzigern als einer der besten Drummer der Welt (wie so fast alle) und allein sein präzises Gebolze ist schon Achterbahn für die Ohren. Maynard James Keenans Engelsstimmchen ist, wenn man es denn mag, einfach der Türsteher zum Nirvana. Es entscheidet, ob Du rein darfst oder weiterhin Nickelback hören musst.
Besser als Zero Zero
Lateralus ist eins dieser Alben, das man dann hört, wenn man entweder auf dem Boden liegt, am Boden ist oder einfach dicke Kopfhörer auf dem Kopf hat und sich bei bewusstseinserweiternden Zimmerpflanzen mal schön den Input approven lässt. Kein Zufall, dass zu deren Lieblingsbands King Crimson gehören, die mit ähnlicher Wirkung auftreten. Lateralus ist eine Gänsehautentzündung in Stereo. Kickt mitunter zeitverzögert.
Dass ein Trip mit Tool auch anstrengend sein kann, konnten ein paar auserwählte Journalisten 2006 erleben, als Tool zur Pressevorführung ihrer aktuellen Platte 10,000 Days luden: In einem Tropfsteinhöhlen ähnlichem Lokal drehte die Band vor versammelter Mannschaft das Album auf Anschlag und verließ selber den Raum. 75 Minuten und 45 Sekunden Progressiv-Dröhnung, wo selbst die Band anschließend zugab, dass sie das selber anstrengend finden würde.
Dieser Tonträger kann und wird deine Welt verändern. Wenn Du es zulässt und Maynard dich reinlässt. Er fügt sich nahtlos ein in das Gesamtwerk Tool. Mit seinen unglaublichen Videos, den noch unglaublicheren Bühnenshows und der stets gemiedenen Öffentlichkeit. Lateralus ist der Anfang, nee, das Ende. Nee, auch nicht. Es ist die Spirale, die dein Gehirn fickt wie drei Kilo Opium. Nach 75 Minuten hilft nur noch eine kalte Dusche oder ein Antrag auf Pflegestufe 3.
