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Spacken*

Seit 2006 ist jeder Deutsche nicht nur Deutschland-Fan, sondern muss auch unbedingt mal nach Wacken. Der Auslöser ist mit Sicherheit die “Full Metal Village”-Dokumentation, aber auch die Event-Geilheit der Menschen. Und seit 2006 schickt sich auch jeder Nachrichtendienst an, vom ach so friedlichen Metalfest im Norden zu berichten. Hach, guck mal, wie putzig. Sehen so gefährlich aus, essen aber gar keine Kinder.

Vorweg muss ich sagen, dass ich noch nie in Wacken war. Schockschwerenot! Das liegt daran, dass mir vor dem Hype das Billing selten zusagte. Ich bin halt kein Headliner-Fahrer. Ich mag das Gesamtpaket. Und da bin ich trotz Hamburger Wohnsitzes lieber zum Dynamo, Hurricane (bevor die Kinder kamen) und With Full Force gefahren. Und jetzt wo das Billing ganz gut ist, muss man sich die Kuhle mit 75.000 Deppen teilen und acht Monate im voraus die Karte sichern.

Die diesjährige SpOn-Kritik trifft den Nagel schon in der Überschrift auf den Kopf: “Ballermann für Headbanger“. Dazu Fotos vom Wet-T-Shirt-Contest, Catchen und Pommesgabel-Kiddies, die ihr Motörhead-Shirt aus der H&M-Kollektion haben. Dass mich seit ein paar Jahren immer mehr Menschen fragen, warum ich denn nicht nach Wacken fahre, wenn ich Metal so toll finde, ist symptomatisch.

Nein, Wacken ist für mich schon gestorben, bevor ich es überhaupt kennen gelernt habe. Denn jeder Metal-Fan weiß, dass erstens die kleineren Festivals besser und angenehmer sind und man zweitens mit Typen auf der Tanzfläche rumtorkelt, die nach diesem Wochenende wieder Mickie Krause in der Mausefalle beklatschen. Da darf man auch keine Toleranz erwarten, denn Metal war noch nie tolerant und hat ein großes Problem damit, es jetzt zu werden.

Wer einen Einblick in das heutige Wacken-Publikum haben will, der braucht sich nur hier einmal die Kommentare durchzulesen. Die Sachlichkeit wurde gar nicht erst in Erwägung gezogen. Stattdessen wurde das Gepöbel von der Wiese direkt in das Kommentarfeld geprügelt. Ihr seid eine Schande für den Metal, ehrlich.

Ich selber wahr seit einigen Jahren nicht mehr auf einem Festival, was aber auch misantrophische Gründe hat. Zudem ist der Markt einfach übersättigt. In jedem Pissdorf spielen nun Hatebreed, Slayer und Konsorten. Meist auf lieblos ausgesuchten Betonflächen, so charmant wie ein Rave in Duisburg. Meistens organisiert von Geiern, die mit Metal genauso viel zu tun haben, wie Westerwelle mit Logik. Und damit meine ich nicht nur Manowar.

Warum ich dann trotzdem darüber schreibe? Ach, einfach mal ein paar Klicks generieren und Idioten anziehen. My personal Sommerloch. Rock’n Roll, ihr Arschgeigen.

* Ich bin mir über die Einfältigkeit dieser Headline durchaus bewusst, sehe diese aber als Dialog in Augenhöhe.

2 Reaktionen

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    Hanna

    Ein schöner Artikel. Nächstes Jahr fahr ich zu “Baden in Blut”, da stimmt das alles, finde ich.

    9. August 2010 um 13:32

  2. comment_ID, $args); ?>

    Jansen

    Jawoll. Mit Sahne. Ein Rave in Duisburg hat aber noch was – vor allem weil da echte Menschen wohnen, Florida in deren ur-eigener “Hafen” City hin oder her ;D

    24. August 2010 um 14:53