In Ägypten sterben Menschen, weil sie für ihre Freiheit kämpfen. Dabei wird ihnen jedes Mittel genommen, um sich zu organisieren. Internet, SMS und womöglich auch das Telefon wird denen, die 30 Jahre Soloalbum von Husni Mubarak überhört haben, einfach genommen. Dann tritt dieser vor die Kameras, in einer Bluebox mit fake Mikrofonen und fake Leselampe ausgestattet, und merkt nichts mehr. Er will bleiben, die People wollen ihn aber down sehen. Stattdessen kündigt er, der nicht nur aussieht wie Silvio Berlusconi, Bauernopfer für Sonntag an: Sein Kabinett soll erneuert werden. Doch welche Rolle spielt bei einem Diktator noch das Kabinett? Die des Bauernopfers eben.
Doch nicht nur die Realitätsferne Mubaraks ist Fremdscham erster Güte. Auch, dass Barack Obama erst nach Mubaraks Rede sich zur Lage äußert, ist ziemlich peinlich. Die Beziehungen Amerikas zu Ägypten gehen eben über die zu Menschenrechten hinaus. Hier geht es mal wieder um Waffen und Öl und um Israel. Irgendwas ist ja immer. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Joe Biden sich ziert, Mubarak einen Diktator zu nennen, Julian Assange aber als einen Terroristen einstuft. Man muss eben keine Menschen mehr töten, um Terrorist zu sein. Und man kann Menschen töten und ein Volk unterjochen, ohne ein Diktator zu sein. Verkehrte Welt, wie sie denen eben gefällt.
Viele Hipster glauben, dass sie mit ihrer Einsilbigkeit bei der Namenswahl ihrer Gören Stil und Belesenheit demonstrieren. Doch es ist wie mit jedem Trend: Wenn zu viele mitmachen, interessiert es niemanden mehr, wer damit eigentlich angefangen hat. Und so ein Name, der hält. Meistens ein Leben lang.
Es sind nicht nur die Doppelnamen oder amerikanisch klingende Hoffnungen am Sternenhimmel. Je ausgefallener, desto beschissener ist meist das Ergebnis. Vor allem die krampfhafte Suche nach dem nordischen klingenden Unikat geht meistens nach hinten los. Hier sind sie also, die neuen Leons und Silvios:
Es ist schon irgendwie putzig, wenn das ZDF zeigt, wie ihre Vorstellungen der Zukunft aussehen. Das hier erinnert an Reportagen aus den 50er Jahren, die ein sehr futuristisches Bild der 2000er hatten. Silberanzüge, fliegende Autos, quasi die Real-Life-Jetsons. Dass die Realität nüchterner ausgefallen ist, ist schon fast so enttäuschend wie Frauenfußball.
Gestern hat das ZDF seine Fake-Doku 2030 – Aufstand der Jungen gezeigt (auch in der Mediathek erhältlich). Der Plot ist schnell erzählt: Ein Mann bricht auf dem Gendarmenmarkt in München zusammen und ist angeblich nicht der, wo alle dachten, dass er es ist. Eine plietsche Reporterin (warum Bettina Zimmermann?) macht sich auf die Suche nach dem Richtigen und zwischendurch bricht ein Aufstand der Generation No-Future aus, also der Millenium-Kinder, die 2030 dann auch schon 30 Jahre alt sind und ihre Rente wollen. Die bekommen sie aber nicht, weil diese abgeschafft wurde. Zumindest von staatlicher Seite.