Wie viele andere war und bin ich großer RATM-Fan. Irgendwo habe ich auch noch die Mappe mit jedem gesammelten Zeitungsschnipsel, besitze Bootlegs aus Absurdistan, aufgenommen ausm Dixi-Klo. Zwei dieser Tapes kaufte ich auf Klassenreise in London von meinem letzten Taschengeld für umgerechnet 50 Mark. Dafür war der Text von ‘Killing In The Name’ abgedruckt. In Zeiten ohne richtiges Internet so wertvoll wie 12 Stoffies und 10 Leuchtis. Erwähnen kann man auch, dass ich Bass spielen gelernt habe, indem ich alle Songs vom Debüt rausgehört und nachgespielt habe. Der beste Bassunterricht, den ich je hatte.
Dieses Video zeigt den allerersten öffentlichen Auftritt von RATM und drückt mir das Pipi in die Augen. Nicht nur, weil sie die späteren B-Seiten wie ‘Clear The Lane’ und ‘Darkness of Greed’ zocken. Viel geiler ist, dass die Songs alle fast unverändert so auf deren Debüt kamen. Tom Morello gniedelt schon so dermaßen fett und perfekt, wie Timmy C und Brad Wilk zusammen den Rhythmuskuchen backen. Die Leute, die an der Bühne vorbeigehen, wie bei einer Schülerband, die nervt, wussten damals nicht, dass sie auf ewig unwürdig sein werden. Und der Typ, der bei Minute 37 die dümmste Frage der Welt stellt, hört heute wahrscheinlich Nickelback und gruschelt auf StudiVZ seine Schwester.
Folgende zwei Unterhaltungen haben sich eben gerade hier in Düsseldorf zugetragen, wo ich aus geschäftlichen Gründen zur Zeit bin. Die eine Unterhaltung führte ich mit der Rezeptionistin des überaus schrulligen und und überteuerten Hotels, die andere mit dem Taxifahrer, der mich dort abgeholt hat. Wahrscheinlich hätten diese Gespräche überall stattfinden können, von daher dient diese Information nur der Statistik.
Im Radio läuft something something über das Attentat in Oslo, während ich gerade auscheckte.
Sie: “Das ist so schlimm, dass der Prozess erst nächstes Jahr anfängt. Dabei war er es doch! Sollen sie ihn direkt … hier, ne …”
Ich: “… erschießen?”
Wer ein aktuelles Beispiel für Propaganda sehen will, sollte sich diesen Artikel auf SPIEGEL ONLINE durchlesen. Selten sieht man eine verlogenere Selbstdarstellung und Hetze in einem. Man besinnt sich auf das »Wir sind die Guten«-Verhalten des größten Hetzblattes Deutschlands. Denn islamfeindliche Gedanken, liebe Leserinnen und Leser, sind völlig normal. Denn sie sind selbst dran schuld.
Schon der erste Absatz ist eine Unverfrorenheit, wie sie im Buche steht:
Wer dachte im ersten Moment nicht sofort an islamische Extremisten, als er von den Ereignissen in Norwegen hörte?
In erster Linie wart es IHR, die sofort eine Brücke zu den »Islamisten« geschlagen habt, bevor es erste Ermittlungen gab. Angeblich wurde die Tat in den »islamistischen« Foren, die ihr anscheinend stündlich besucht, gefeiert und bejubelt. Es gibt aber durchaus Menschen, die erst einmal geschockt sind von der Tat und nicht sofort an schreiende Moslems denkt.
Wenn man an den Begriff »Propaganda« denkt, kommt schnell das Dritte Reich hinzu. Propaganda, das ist das, was die Nazis damals gemacht haben. Heute gibt es so was nicht mehr, zumindest nicht in Deutschland. Denkt man. Nur die totalitären Staaten bedienen sich heute noch der Propaganda, um ihr Volk dumm zu halten. Anscheinend hat es unsere »Demokratie« geschafft, uns so weit zu bringen, dass wir Propaganda hierzulande nicht mehr als solche erkennen.
Dabei braucht man nur die Zeitungen zu lesen, die man täglich liest. Wir haben zwar die Freiheit, gerade online jede nur erdenkliche Quelle zu wählen und klicken uns so täglich durch verschiedene Nachrichtenseiten, die nicht selten alle das Gleiche schreiben. Und wenn sie alle die gleiche Lüge und/oder Propaganda schreiben, dann wird das wohl schon stimmen.