Wie viele andere war und bin ich großer RATM-Fan. Irgendwo habe ich auch noch die Mappe mit jedem gesammelten Zeitungsschnipsel, besitze Bootlegs aus Absurdistan, aufgenommen ausm Dixi-Klo. Zwei dieser Tapes kaufte ich auf Klassenreise in London von meinem letzten Taschengeld für umgerechnet 50 Mark. Dafür war der Text von ‘Killing In The Name’ abgedruckt. In Zeiten ohne richtiges Internet so wertvoll wie 12 Stoffies und 10 Leuchtis. Erwähnen kann man auch, dass ich Bass spielen gelernt habe, indem ich alle Songs vom Debüt rausgehört und nachgespielt habe. Der beste Bassunterricht, den ich je hatte.
Dieses Video zeigt den allerersten öffentlichen Auftritt von RATM und drückt mir das Pipi in die Augen. Nicht nur, weil sie die späteren B-Seiten wie ‘Clear The Lane’ und ‘Darkness of Greed’ zocken. Viel geiler ist, dass die Songs alle fast unverändert so auf deren Debüt kamen. Tom Morello gniedelt schon so dermaßen fett und perfekt, wie Timmy C und Brad Wilk zusammen den Rhythmuskuchen backen. Die Leute, die an der Bühne vorbeigehen, wie bei einer Schülerband, die nervt, wussten damals nicht, dass sie auf ewig unwürdig sein werden. Und der Typ, der bei Minute 37 die dümmste Frage der Welt stellt, hört heute wahrscheinlich Nickelback und gruschelt auf StudiVZ seine Schwester.
Ich hatte damals die geilste Karre der Stadt, keine Frage. Ein 1972er Ford Knudsen Taunus 2.3l V6 mit 5 Gängen und einer 1300er Hinterachse. Das Ding war brutal im Antritt, aber auch ein schöner Wagen zum entspannt Vorfahren. Die Farben außen: burgund mit Dach in creme. Farbe innen: dunkelrot. Die Sitze ohne Kopfstützen waren im Arsch, aber gemütlich. Die Hijacker haben den Arsch angehoben, der große Motor vorne alles etwas tiefergelegt. Die Karre sah aus wie ein feuchter Traum.
Die Kohle für eine ordentliche Kapelle lag auf einem anderen Konto, also habe ich mir zwei Boxen einer Kompaktanlage in die hinteren Fußräume gelegt. Die Leute, die hinten saßen, haben natürlich gekotzt, weil die ihre Beine über ihre Schulter legen mussten. Dafür gab es satte Bässe ohne Endstufe und niemand kam auf die Idee, mir mein 2x25W-Radio von 1986 zu klauen.
Sony stellt nach 30 Jahren endlich die Produktion des Walkman ein und erste Stimmender Wehmut werden laut. Kindheitserinnerungen und so, alles voll romantisch, weißt noch damals. Ey, sorry, aber der Walkman war nur eins: Scheiße! Keine Ahnung, warum die Menschen nur noch ihre Retrobrille tragen, aber dieses klobige Ding der akustischen Bevormundung war zwar als erstes da, aber noch lange nicht das Maß der Dinge.
Meine Erinnerungen an den voll tollen Kassettenplayer sind eine Mischung aus Bandsalat, Monotonie und schlechter Klangqualität. Sowieso dieses ewige Kassetten bespielen! Da läuft man am Ende mit zehn Tapes in der Tasche rum und hört immer wieder die gleiche Reihenfolge inklusive der Klickgeräusche, die bei der Aufnahme entstanden sind. Und wie viele Songs sind bis zu meinem Lebensende versaut, weil sie immer noch im Kopf an einer bestimmten Stelle unterbrechen, weil da die fucking Seite zu Ende war? Tausende!
Meine letzte Band ist zehn Jahre her, leider. Doch bevor ich überhaupt meine erste Band gefunden habe, zockte ich mit meinem Nachbarn und ein paar Jungs im Keller des Haus der Jugend. Und wir machten das, was alle machen, die weder Erfahrungen noch Songmaterial haben: wir coverten.
Diese zeitlose und endgeile Nummer von Unleashed war der erste Versuch, ein komplettes Lied durchzuspielen und das so gut es geht. Da das Riff und das Arrangement recht einfach ist und der Text auch sehr übersichtlich, war dieser Versuch schnell vom Erfolg gekrönt. Wir fühlten uns groß, auch wenn unser Umfeld wenig mit Metal zu tun hatte. Damals war das eben noch kein T-Shirt, das man sich einfach anzog.
Weitere Cover im Laufe meiner leider viel zu kurzen Band- und Bühnenkarriere: