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Tag: Ärzte ohne Grenzen

Systemfehler Mensch: Zahnlose Gewissensbisse

Weihnachtszeit, Fußgängerzone. Während der Weihnachtsmarkt vom Mond aus zu sehen ist, die Schaufenster festlich geschmückt sind und der Duft von Schmalz- gebäck die Nase umtänzelt, sieht es untenrum wie gewohnt schwierig aus. Bettler, Besoffene, Penner, Berber, Obdachlose – es gibt leider keine Namen, die nur ansatzweise etwas gutes an den Bedürftigen lässt. Und sie wollen nur unser Geld, um sich davon die Birne mit Schnaps auszuknipsen. Verkäufer von Straßenmagazinen sind die Atillerie der Wohnungs- und Erwerbslosen, die Critters unter den Sandlern.

Zuhause angekommen wird die Couch mit Wolldecken ausgelegt und das Süppchen in der Lieblingsschüssel im Schoß fixiert, während man von RTL die Möbel im Kopf verrückt. Zwischen der Bref-Werbung und dem Actimel-Spot kriechen verhungerte Kinder aus Afrika auf staubigen Boden. Sie gucken mit ihren großen Augen in die Kamera und wollen dein Geld, damit sie Bürgerkriege führen können und noch mehr HIV in der Welt verbreiten, als sie es bisher schon getan haben. Neuer Trend: Kinder ohne Schulen in Asien. Jetzt wollen die auch noch Lesen und Schreiben lernen, damit sie hier einbürgern können, or what?

26. Dezember 2004, Indischer Ozean. Ein Bierschiss Poseidons tötet auf einen Schlag 230.000 Menschen, darunter einige deutsche europäische westliche Urlauber. Eine Naturgewalt richtet weit weg großen Schaden an und nimmt uns Menschen, die uns ganz nah stehen. Ein großer Spendenaufruf wird gestartet und Deutschland macht das, was es am wenigsten kann: spenden. Es wird soviel gespendet, dass das Rote Kreuz dazu aufrief, auch an andere Organisationen zu spenden, die nichts mit dem Tsunami zu tun haben. Nicht, weil sie auf diese aufmerksam machen wollten, sondern weil einfach zuviel gespendet wurde. Spenden wurde, Weihnachten sei dank, schlagartig ein Trend, den es zu folgen galt.

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