Angst
Autofahren ist Freiheit. Schönes Wetter, gute Musik, leere Bahn. Der Arm hängt draußen, die Sonnenbrille im Gesicht und der Rest hängt loose. Einfach mal abschalten und das Leben Leben sein lassen. Doch im Rückspiegel siehst Du plötzlich die Rennleitung. Man achtet sofort penibel auf die Geschwindigkeit und verhält sich krampfhaft ruhig. Die Polizei zieht an dir vorbei, sollst Du gucken oder nicht? Besser nicht. Und auch wenn sie am Ende nichts von dir wollten, allein ihre Präsenz reicht, um dir dieses kurze Gefühl von Angst durch den Körper zu jagen.
Es ist egal, ob Du unrecht getan hast oder nicht. Selbst wenn dein Leben aus Müll trennen besteht und Du immer brav deine Steuern zahlst, so reicht die bloße Anwesenheit einer Ordnungskraft dafür, dass das Unbehagen Einzug erhält. Denn wie wir alle wissen, trifft Polizeigewalt längst nicht mehr nur die Schuldigen. Als aktiver Fußballfan kann man einige Lieder davon singen. Den BüNaBe kennt man heute nicht einmal mehr vom Hörensagen.
Angst ist ein Wort mit Macht. Es dient mittlerweile als bestes Mittel, einen Staat zu führen. Terrorangst, Klimawandel, jährliche Pandemien mit Tiernamen – das Reportoire ist unausschöpflich, wenn es darum geht, die Menschen in Angst zu versetzen. Durch die abgesegnete Netzsperre kommt eine neue Angst hinzu. Die Angst, beim Surfen auf eine gesperrte Seite zu stoßen oder im Hintergrund ohne das eigene Wissen auf eine solche Seite geleitet zu werden und dafür die Konsequenzen tragen zu müssen, wird sich in den Alltag des Internetbenutzers schleichen und uns alle zu potentiellen Tätern machen.