
Manchmal muss man schnell sein. Mit der Zeit gehen. Uptodate und so. Oder anders gesagt: manchmal muss man reagieren. Wenn dann so CSU-Nasen wie Ilse Aigner Facebook droht, ihre Mitgliedschaft zu beenden, wenn die sich nicht benehmen, dann kann man schon mal aktiv werden. Denn Drohgebärden wie diese erzeugen höchstens Fremdscham, aber keine Läuterung des größten sozialen Netzwerks der Welt. Zudem man wissen sollte, dass solche Plattformen nicht dazu da sind, dass wir alle happy sind, sondern um Geld zu verdienen. Mit unseren Daten. Big deal, wie der Franzose sagt.
Wie auch immer, Nico Lumma hatte die Idee für seheichmichgezwungen.de und ich habe die Seite dann gebaut und gestern online gestellt. Die Resonanz ist ziemlich groß, sekündlich gibt es neue Einträge. Sinn dieser Seite ist, den in den letzten Tagen oft zitierten Auszug des Drohbriefes von Frau Aigner an Mark Zuckerberg zu zweckentfremden. Dieser lautet im Original:
“Sollte Facebook nicht bereit sein, seine Firmenpolitik zu ändern und die eklatanten Missstände zu beheben, sehe ich mich gezwungen, meine Mitgliedschaft zu beenden.”
Uuuh. Dabei gibt es weitaus kreativere Möglichkeiten, sich auszudrücken. Aber die da in Amerika werden sich schon warm anziehen jetzt, bevor sie ein Mitglied verlieren.
Für viele ist es der Horror schlechthin, der Gedanke, alleine zu sterben. In seiner Wohnung verrotten, wo dann die Nachbarn nach einem halben Jahr die Polizei ruft, weil sie den Gestank nicht mehr ausgehalten haben. Niemand, der nach Dir pfeift. Niemand, der sich fragt, warum sich die Post in Deinem Briefkasten stapelt.
Vor knapp zwei Monaten habe ich mich bei Facebook abgemeldet und ein enger Freund hat letztes Wochenende erst davon erfahren. Nachdem ich es ihm erzählt habe. Er wunderte sich nur, warum ich auf einige Statusmeldungen von ihm nicht mehr reagierte.
Ich habe mich schon des öfteren bei diversen Plattformen abgemeldet und wenn ich dann doch rückfällig wurde und meine Kontaktliste wieder hergestellen wollte, kamen nicht zu knapp Fragen wie “Wie, ich dachte, wir wären schon längst Freunde!?”. Eine Frage, die ich mir in diesem Moment dann auch stelle. Sind die sogenannten sozialen Netzwerke etwa nur posthumane Einrichtungen? Was hier nach einer Frage in einer Hippie-Runde klingt, ist wirklich eine Überlegung, wie groß der Nutzen am Ende wirklich ist. Denn die einzigen, die sich für Dein Netzwerk wirklich interessieren, sind die Plattformen, die diese anbieten.
Es wird Zeit, dass die allgemeine Rückentwicklung des Menschen auch wieder zu vergessenen Tugenden führt, dem “nach dem anderen schauen” zum Beispiel. Das gilt auch für die zig Kontaktlisten.

Die Idee ist so einfach wie genial: eine zentrale Seite für alle sozialen Netzwerke, nahezu frei gestaltbar und technisch wirklich ästhetisch umgesetzt. Anstatt seinen Facebook, flickr, twitter oder Blog einzeln an seine Freunde weiterzugeben, kann man all diese Seiten in eine einzige integrieren und diesen Link dann kommunizieren.
Auf Flavors.me ist das möglich, auch wenn es zur Zeit noch in der half-closed beta steckt, also nur mit Einladung, aber öffentlich sichtbar. Auf meiner Seite gibt es z.B. mein Blog, flickr, last.fm, tumblr und die Shared Items von Google Reader. Wenn der Bug behoben ist, dann auch bald meine Tweets.
Was mir auch positiv auffällt, ist, dass es keine weitere Kontaktliste gibt, die man pflegen muss. Kein weiteres Freunde adden, auf Bestätigung warten, Rechte verteilen, sehen wer wo wann wie online ist. Einfach eine Seite zum Angucken und merken.
Eine Einladung bekommt man ganz einfach, wenn man seine E-Mail hinterlässt. Man muss also nicht betteln wie bei ffffound. Wenn sich die Seite durchsetzt, könnte es eine nette Visitenkarte werden mit der man sich viel Zeit spart. Und chic ist es auch noch (der Echtzeit-Editor wurde wirklich schön umgesetzt). Für mich eine der schönsten API-Spielereien seit langem.