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Tag: Facebook

Jahresrückblick 2011

Meine Prognosen für 2010 sind ja bekanntliche alle eingetroffen, also warum nicht auch für dieses Jahr die größten Ereignisse voraussagen, ne. Zudem dieses Jahr unglaublich viel passieren wird, das sehe ich hier in meinem hannoverschen Kristallei. Wer glaubt, er hätte letztes Jahr schon alles gesehen, der hat sich getäuscht, wie Mesut Özil bei Lionel Messi. Es wird nämlich alles, sagen wir mal so: katastrophantastischer!

Elektronischer Facebook-Ausweis

Da haben die Herren der CDU etwas gelernt aus ihrem Kapitalschaden der Netzpolitik und haben sich Social-Media-Hilfe von Sascha Lobo geleistet. Dieser meint, dass der ePerso voll Müll ist, weil man sich damit nirgends connecten kann. Im Puff einchecken, wo man doch das Mobiltelefon ausgeschaltet hat? Kein Problem! Der elektronische Facebook-Ausweis ersetzt nun auch den Perso, speichert noch mehr Daten und weiß nun endlich auch, wann Du deinen Bierschiss ins Keramik kloppst. Wer keinen Facebook-Account hat, macht sich verdächtig und muss sich am Flughafen in die Terroristen-und-andere-Ausländer-Schlange stellen. Selber Schuld.

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Wir datenschützen uns kaputt

Oh ja, ich, der bei jedem kleinsten Pups sofort den Finger hebt und in Sorge bin über meine kostbaren Daten. Ja, ich sage, dass wir den Überblick verloren haben, nicht mehr wissen, was böse und was noch böser ist. Wir warten nur auf die Überschrift in den Nachrichten, die uns entweder sagt, dass alles gut oder alles noch viel schlimmer ist. Ich glaube, wir wissen gar nicht mehr so richtig, was wir eigentlich genau schützen wollen.

Google Streetview ist das prominenteste Beispiel und zeigt, wie wir gar nicht mehr selbst nachdenken wollen und können. Die Politiker fordern eigene Gesetze für Google und Facebook, die Menschen lassen ihre Häuser verpixeln und finden es gleichzeitig total aufregend, mit Streetview in New York durch die Straßen zu fahren und all die bunten Menschen anzugucken. Wir beschweren uns über Facebook, posten dennoch jeden privaten Schiss dort und benutzen die iPhone-App, die, und das ist nicht neu, das komplette Telefonbuch des Mobiltelefons Facebook schenkt. Heute hü, morgen hott.

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…sehe ich mich gezwungen, meine Mitgliedschaft zu beenden.

Manchmal muss man schnell sein. Mit der Zeit gehen. Uptodate und so. Oder anders gesagt: manchmal muss man reagieren. Wenn dann so CSU-Nasen wie Ilse Aigner Facebook droht, ihre Mitgliedschaft zu beenden, wenn die sich nicht benehmen, dann kann man schon mal aktiv werden. Denn Drohgebärden wie diese erzeugen höchstens Fremdscham, aber keine Läuterung des größten sozialen Netzwerks der Welt. Zudem man wissen sollte, dass solche Plattformen nicht dazu da sind, dass wir alle happy sind, sondern um Geld zu verdienen. Mit unseren Daten. Big deal, wie der Franzose sagt.

Wie auch immer, Nico Lumma hatte die Idee für seheichmichgezwungen.de und ich habe die Seite dann gebaut und gestern online gestellt. Die Resonanz ist ziemlich groß, sekündlich gibt es neue Einträge. Sinn dieser Seite ist, den in den letzten Tagen oft zitierten Auszug des Drohbriefes von Frau Aigner an Mark Zuckerberg zu zweckentfremden. Dieser lautet im Original:

“Sollte Facebook nicht bereit sein, seine Firmenpolitik  zu ändern und die eklatanten Missstände zu beheben, sehe ich mich gezwungen, meine Mitgliedschaft zu beenden.”

Uuuh. Dabei gibt es weitaus kreativere Möglichkeiten, sich auszudrücken. Aber die da in Amerika werden sich schon warm anziehen jetzt, bevor sie ein Mitglied verlieren.

Stell Dir vor, es ist Deine Beerdigung und keiner geht hin

Für viele ist es der Horror schlechthin, der Gedanke, alleine zu sterben. In seiner Wohnung verrotten, wo dann die Nachbarn nach einem halben Jahr die Polizei ruft, weil sie den Gestank nicht mehr ausgehalten haben. Niemand, der nach Dir pfeift. Niemand, der sich fragt, warum sich die Post in Deinem Briefkasten stapelt.

Vor knapp zwei Monaten habe ich mich bei Facebook abgemeldet und ein enger Freund hat letztes Wochenende erst davon erfahren. Nachdem ich es ihm erzählt habe. Er wunderte sich nur, warum ich auf einige Statusmeldungen von ihm nicht mehr reagierte.

Ich habe mich schon des öfteren bei diversen Plattformen abgemeldet und wenn ich dann doch rückfällig wurde und meine Kontaktliste wieder hergestellen wollte, kamen nicht zu knapp Fragen wie “Wie, ich dachte, wir wären schon längst Freunde!?”. Eine Frage, die ich mir in diesem Moment dann auch stelle. Sind die sogenannten sozialen Netzwerke etwa nur posthumane Einrichtungen? Was hier nach einer Frage in einer Hippie-Runde klingt, ist wirklich eine Überlegung, wie groß der Nutzen am Ende wirklich ist. Denn die einzigen, die sich für Dein Netzwerk wirklich interessieren, sind die Plattformen, die diese anbieten.

Es wird Zeit, dass die allgemeine Rückentwicklung des Menschen auch wieder zu vergessenen Tugenden führt, dem “nach dem anderen schauen” zum Beispiel. Das gilt auch für die zig Kontaktlisten.

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