The Only Band Ever
Weil es nicht nur das beste Sonntagskonzert ever war, sondern weil wir für 20 Euro Hits und Heimweh bekommen haben. Eben the only band ever.
Weil es nicht nur das beste Sonntagskonzert ever war, sondern weil wir für 20 Euro Hits und Heimweh bekommen haben. Eben the only band ever.
Samstag, 9. Januar, o2 World in Berlin. DEPECHE FUCKIN’ MODE spielen eines ihrer letzten Deutschlandkonzerte dieser Tour und ich habe nochmal eben 80 Euro locker gemacht, um mir noch einmal die volle Packung zu geben. Wer schon einmal auf einem Konzert von denen war, weiß, dass die Interaktion mit dem Publikum legendär ist. Alle tanzen, alle singen, Rituale hier und Gänsehautentzündungen da. Doch die Zeiten ändern sich schnell in der heutigen Welt. Ein verstärktes Auftreten plötzlicher Konzerterstarrungen macht sich breit.
Seit dem jedes Kackmobiltelefon hochauflösende Videos in HD aufnehmen kann und jede Hausfrau über einen dieser verrückten Youtube-Accounts verfügt, sieht sich jeder zweite Konzertbesucher in der bürgerlichen Pflicht, ein verwackeltes Video von jedem Lied mit einem ausgezeichnet beschissenen Sound aufzunehmen. Ein Tag später sind diese Schnipsel dann auch dort zu finden. Es dauert nicht lange, da kommen auch die ersten Kommentare von Usern, die nur auf diese Mitschnitte gewartet haben: “Bremen war aber besser.” oder “Ich war auch dabei!” sind so sicher, wie das Ende von AOL.
Ein großes Thema ist bei mir zur Zeit die Personalisierung von Fußballtickets, die nicht nur bei Auswärtsspielen einschlägiger Mannschaften Einzug erhält, sondern auch bei Heimspielen des Hamburger SV und des VfL Wolfsburgs. eines meiner Gegenargumente war bisher immer, dass man bei Konzertkarten bisher noch keine Personalisierung “Genießen” durfte, was mit dem nicht vorhandenen Willen der Veranstalter zur Bekämpfung des Schwarzmarktes wiederlegt wurde. Das ändert sich nun, wenn man sich die Kartenpolitik der Toten Hosen anschaut. Für das Zusatzkonzert im Berliner SO36 haben sie sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen:
Um Schwarzhandel mit den Tickets auszuschließen muss bitte jeder Käufer einen Ausweis oder Führerschein dabei haben. Name und Ausweisnummer werden vor Ort auf dem Ticket eingetragen. Pro Person werden max. 2 Karten verkauft, allerdings muss der Käufer dann Ausweis oder Führerschein der zweiten Person dabei haben, damit auch das zweite Ticket personalisiert werden kann.
Natürlich handelt man damit nur zum Wohle aller, damit sie sich keine Karte zu überhöhten Preisen kaufen müssen. Man hat somit nämlich gar keine Chance mehr, sich eine Karte zu kaufen, sollte man in den für drei Stunden angesetzten Vorverkauf (20-23 Uhr) das Pech haben, keine Karte mehr abzubekommen. Dass man seine Personalausweisnummer auf die Karte schreiben muss, ist für mich nicht vertretbar. Für ein Clubkonzert sollte man nicht mit hochsensiblen Daten um sich schmeißen, was im Suff gerne mal mit einer Konzertkarte passieren kann. Auch nicht, wenn es für einen vermeintlich guten Zweck sein sollte.
Personalisierung von Konzerttickets ist nicht Punk Rock.
Vorbands sind spätestens seit der Metalcore-Welle Schwerstarbeit für den Konzertbesucher. Das klassische Billing, maximal zwei Vorbands und ein Headliner, hat ausgedient, da die Plattenfirmen soviele Bands wie möglich rausschicken müssen, da sie auch jeden kleinsten Act mit Billigdemo einen Deal verschaffen. Konzerte mit vier bis fünf Vorbands sind deshalb keine Seltenheit mehr. Wenn man als Vorband einer Vorband dann einen bleibenden Eindruck hinterlassen will, muss man alles geben, aber auch eben manches sein lassen.
Die für euch knappen und für uns oft zu langen 20-30 Minuten Spielzeit sollten mit Musik gefüllt sein. Ansagen über eurer Heimatdorf, Tierschutz, Polizeigewalt und darüber, wie schön es ist, wieder hier zu sein interessieren so sehr wie Frauenrechtler im Dollhouse. Wir kennen euch nicht und schon gar nicht eure Musik und wegen letzteres haben wir heute abend einiges an Geld bezahlt. Also, Schnauze halten und Instrumente benutzen.
Die Hütte ist noch nicht mal zur Hälfte gefüllt und schon müsst ihr ran. Wer gänzlich unbekannt ist, hat da die besonders bunte Arschkarte gezogen und der “Hamburger Graben” ist bei Bands besonders gefürchtet: gefühlte zwanzig Meter Abstand zwischen dir und dem Publikum und die Arme sind verschränkt statt in the air. Das wird auch nicht durch Ansagen besser, wie: “Kommt mal alle nach vorne!” oder “Jetzt alle abgehen!”. Gehe zurück zu Punkt eins und spielt einfach eure Musik. Wenn dann immernoch keiner abgeht, lag es bestimmt nicht nur an den Leuten.
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