Es ist schon verwunderlich, dass in Frankreich auf einmal wieder Terrorgefahr besteht, angeblich ausgesprochen von der Al-Qaida selbst. Die Menschen sollten also besorgt sein, öffentliche Plätze meiden und jedem misstrauen, der irgendwie anders aussieht. Das ist natürlich doof jetzt, wo man doch auf die Straße geht, um gegen die Rentenpolitik des unbeliebtesten französischen Präsidenten ever zu protestieren. Hier von einem Zusammenhang zu sprechen, das grenzt schon an paranoiden Verschwörungswahn. Oder etwa doch nicht?
Es lohnt sich, dieser Tage die Zeitungen zu lesen und bei Nachrichten gut zuzuhören. Denn wo immer sich Widerstand in der Bevölkerung regt, um so mehr wird versucht, das Volk mit Angst auseinander zu treiben. Dass man erstmals die großen Beschützer, USA und England, einbeziehen musste, damit sie die Terrorgefahr in Europa bestätigen, das scheint wie der letzte Strohhalm, ja sogar der Volkssturm der Regierung. Nur eben ohne Volk.
Angst versetzt Menschen in Situationen, wo sie ungeahnte Kräfte entwickeln können. Wenn man lernt, diese Kräfte bei anderen Menschen zu beeinflussen, dann hat man die Macht über sie, von der Google noch lange träumen wird. Wer Angst hat und in der Klemme steckt, der versucht alles, um sich aus dieser Lage zu befreien. Notfalls mit Gewalt. Wer Angst hat und zu Hause bleibt, der wünscht sich Sicherheit, um das Haus wieder verlassen zu können. Also muss man die Menschen von der Straße in ihre Häuser treiben. Hier beginnt die erste Phase…
Nachdem in Stuttgart ein Polizist einer Frau ins Gesicht schlägt, weil sie ihn bat, den Motor abzustellen, habe ich mir gedacht, ein paar schöne Polizeigewaltvideos zusammenzustellen. Just for fun. Sie zu finden ist nicht schwer, da die Menschen nicht nur Partyvideos drehen, sondern auch den Gesetzeshütern (what?) bei ihrer Arbeit über die gepolsterte Schulter schauen. Wenn man alle Videos geschaut hat, bekommt man voll Lust auf zu Hause bleiben.
Aber keine Angst, das ist kein Trend. Da Polizeigewalt nicht verfolgt wird in Deutschland und anderen Ländern, können wir uns auf eine Menge neuer Videos in Kürze freuen. Die Kennzeichnungspflicht würde der ganzen Sache auch nur die Spannung nehmen. Die Bundesligasaison ist im vollen Gange, das Hamburger Derby steht bevor – da ist einiges drin! Aber nun viel Spaß.
Zur Zeit gibt es nur zwei große Themen in Deutschland: Die Suche nach einem neuen Bundespräsidenten und das Mega-Rekord-Super-Duper-Sparpaket der Kanzlerin. Aufreger über Aufreger, alles ungerecht und das Wir-Gefühl, das alle mit Lena hatten, ist zu einem Ihr-mal-wieder-Gefühl mutiert. Wie immer halt. Nach Regen kommt Sonnenschein, heißt es. Hierzulande ist es aber genau umgekehrt. Alles scheiße, alle anderen haben Schuld.
Die Merkel hat das Volk gewählt, jetzt wird gejammert. Und der Bundespräsident ist das mit am sinnloseste Amt, welches in der Bundesrepublik besetzt werden kann. So unwichtig, dass die Menschen, das Volk oder besser gesagt: eine handvoll Community im Netz, für einen Kandidaten plädieren, der zwar erzkonservativ und ein Bush-Freund (ihr wisst schon, der den wir alle mal doof fanden), aber immer noch besser ist, als dieser Christian Wulff, den auch kein Arsch kennt. Hauptsache nicht Zensursula oder irgendein anderer Depp, der irgendwie doof ist.
Ich drifte ab. Worauf ich hinaus will ist, dass immer wieder die gleiche Masche abgezogen wird, um das Volk von den wirklichen Unannehmlichkeiten abzulenken. Die WM-Stimmung ist eh im Arsch, Südafrika ist ja eh ein schwerstkrimineller Haufen und Ballack ist nicht dabei. So werden wir eh nicht Deutschland. Sommermärchen 1.9 RC.
Nahezu unbemerkt wurden Verordnungen durchgewunken, die für uns viel mehr Auswirkungen haben werden, als Kürzungen oder ein neuer Depp, der anderen Deppen vor Kameras die Hände schüttelt. Kurz vor der Fußball-WM hat das Bundeskriminalamt vom Bundesrat eine Verordnung durchgewunken bekommen, die uns das Zensursula-Gesetz wie eine Steuererhöhung um 1% wirken lassen. Denn nun darf das BKA Karteien über jeden von uns anlegen. Dabei ist es nicht wichtig, ob wir etwas unrechtes getan haben, sondern nur, ob wir uns im Umfeld eines Verdächtigen aufhalten, mit ihm ein Büro teilen oder ihn einfach nur kennen. Dabei kann jede noch so banale Information über uns gespeichert werden:
Am Wochenende hielt ich die aktuelle Ausgabe der Supporters News in der Hand, das offizielle Magazin des Supporters Club des Hamburger Sport-Vereins. Der Titel war vielversprechend: “Fußballfans – Polizei – Gewalt”. Eine Ausgabe, die sich intensiv mit der aktuellen Entwicklung der Polizeigewalt bei Fußballspielen beschäftigt. Da dieses Thema gerade dafür gesorgt hat, dass ich zur Zeit wenig bis keine Lust auf Fußball habe, war ich beeindruckt, wie offen hier mit dem Thema umgegangen wird.Der Supporters Club ist eben noch das Sprachrohr der Fans und genießt knapp 50.000 Mitglieder.
Weiter hinten findet sich eine Seite, die sich den neuen AGB, insbesondere der neuen Kartenpolitik bei Heimspielen widmet. Um angeblich den Schwarzmarkt zu bekämpfen, hat sich der HSV etwas ganz besonderes einfallen lassen, was bei mir für hysterisches Gelächter gesorgt hat:
Voraussetzung für den Spielbesuch ist ferner, dass der Besucher das auf der Vorderseite mit seinem Namen versehene Ticket vorlegt. Sofern im Falle einer berechtigten Übernahme des Veranstaltungsvertrages und der damit einhergehenden Weitergabe des Tickets bereits ein Name eingetragen ist, ist dieser durchzustreichen und der Name des in den Vertrag Eintretenden auf der freien Fläche der Vorderseite einzutragen, ohne dass der Barcode des Tickets überschrieben wird.
Ein wenig Nachdenken hilft, um zu merken, dass diese Methode einzig und allein der Personalisierung von Tickets dient, als dem Schwarzmarkt zuvorzukommen. Wenn das eine wirksame Methode wäre, dann wären die Konzertveranstalter schon vorher drauf gekommen. Personalisierte Tickets beim Fußball aber, sorgen bei Fußballfans nur für Unmut, wie mancher Fan der Eintracht aus Frankfurt es schonerleben durfte.