Wenn bei Karlsruhe der tote Fußball im Meer versinkt
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat heute entschieden, dass ein bloßer Verdacht auf Randale oder Gewalt ausreicht, um ein Stadionverbot auszusprechen. Dazu bedarf es nicht mal einen richterlichen Erlass, geschweige denn eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft. Der Verein und die Polizei können ein bundesweites Stadionverbot, das auch gerne mal über mehrere Jahre gehen kann, aussprechen, obwohl man nicht mal an einer gewalttätigen Aktion beteiligt war:
Dem Urteil zufolge genügt es bereits, dass der Fan Teil einer durch Randale aufgefallenen Fangruppe war. “Auf den Nachweis, er habe sich an den aus der Gruppe begangenen Gewalttätigkeiten beteiligt, kommt es nicht an“, entschied der BGH.
Süddeutsche Zeitung
Das heißt soviel wie: Stehst Du vor dem Stadion mit einem Bier in der Hand und eine Gruppe Ultras zieht an dir vorbei und liefert sich ein Scharmützel mit der Rennleitung, kann ein schlecht gelaunter Cop dir ein bundesweites Stadionverbot erteilen, obwohl Du nur zur falschen Zeit am falschen Ort standst. Wer die Willkühr der Polizei bei Fußballspielen schonmal zu spüren bekommen hat, weiß, dass soetwas schneller geht, als neues Bier holen.
Dieses Urteil passt sehr gut in die Entwicklung in England, wo Teilnehmer von Demonstrationen mit häufigen Verkehrkontrollen rechnen müssen, weil ihre Kennzeichen auf eine Art Fahndungsliste kommen. Somit werden politisch aktive Bürger eingeschüchtert, bis am Ende keiner mehr gegen irgend etwas protestiert. Ähnliches haben die Vereine und Staatsdiener auch seit Jahren beim deutschen Fußball vor. Statt Stehplatzfans und Ultras, die im Stadion gerne mal eine Kerze anzünden, wollen sie zahlungskräftige Familien und Geschäftskunden, die im Stadion die Fresse halten und schön die Merchandise-Palette leerkaufen. Rosafarbene Schals inklusive.
Danke, Karlsruhe. Euer Urteil ist ein Urteil gegen den Fußball-Fan und eins für Werbekunden, Investoren und Polizeiwillkür. Nachdem hierzulande die Gummiknüppel gegen Metallknüppel getauscht wurden und mit Pfefferspray rumgesprüht wird wie bei Douglas mit Patschouli, da kann man sich nur noch eins fragen: Wann schießt ihr endlich?