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Tag: Überwachungsstaat

Datenschutz: Pillepalle von gestern


Der “ordentliche Bürger” braucht nichts zu befürchten und bei ELENA sind alle unsere Daten sicher. Wer sich einfach immer ordentlich verhält, individuelle Charaktereigenschaften ablegt und immer nach dem System pfeift, der braucht keine Angst um seine Daten zu haben. Informationen über Dein Gehalt, deine Fehltage, Krankheiten, Bezüge von Sonderleistungen und in Freitextfeldern verfasste Gründe deiner Kündigung werden nie für andere einsehbar sein. Nur für die Bundesagentur für Arbeit, Jobcenter, Kranken- und Pflegekassen und alle, die später ihr Interesse danach bekunden: Polizei, Finanzamt, deine Mutter.

Paranoid, sagst Du? Viel Spaß bei Bewerbungsgesprächen, wenn Du aus Fehlern in vorigen Jobs nicht mehr lernen darfst, weil alles für lange Zeit gespeichert ist. Gehaltsvorstellungen? Die kommen dann nicht mehr von deiner Seite. Wer immernoch glaubt, nichts zu verbergen zu haben, der wird sehen, dass es bald nichts mehr zu verbergen gibt.

Was mag der Plan der Regierung sein, so ein Teufelswerk einzuführen? Wenn man etwas gen Osten schaut, dann liegt die Antwort auf der Hand. Freie Bürger, Individuen, Privatssphäre – das ist Gift für die Atmosphäre. Bald soll dazu auch ein kleines rotes Buch erscheinen. Mit einer Auflage von 82 Millionen.

Wenn bei Karlsruhe der tote Fußball im Meer versinkt

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat heute entschieden, dass ein bloßer Verdacht auf Randale oder Gewalt ausreicht, um ein Stadionverbot auszusprechen. Dazu bedarf es nicht mal einen richterlichen Erlass, geschweige denn eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft. Der Verein und die Polizei können ein bundesweites Stadionverbot, das auch gerne mal über mehrere Jahre gehen kann, aussprechen, obwohl man nicht mal an einer gewalttätigen Aktion beteiligt war:

Dem Urteil zufolge genügt es bereits, dass der Fan Teil einer durch Randale aufgefallenen Fangruppe war. “Auf den Nachweis, er habe sich an den aus der Gruppe begangenen Gewalttätigkeiten beteiligt, kommt es nicht an“, entschied der BGH.
Süddeutsche Zeitung

Das heißt soviel wie: Stehst Du vor dem Stadion mit einem Bier in der Hand und eine Gruppe Ultras zieht an dir vorbei und liefert sich ein Scharmützel mit der Rennleitung, kann ein schlecht gelaunter Cop dir ein bundesweites Stadionverbot erteilen, obwohl Du nur zur falschen Zeit am falschen Ort standst. Wer die Willkühr der Polizei bei Fußballspielen schonmal zu spüren bekommen hat, weiß, dass soetwas schneller geht, als neues Bier holen.

Dieses Urteil passt sehr gut in die Entwicklung in England, wo Teilnehmer von Demonstrationen mit häufigen Verkehrkontrollen rechnen müssen, weil ihre Kennzeichen auf eine Art Fahndungsliste kommen. Somit werden politisch aktive Bürger eingeschüchtert, bis am Ende keiner mehr gegen irgend etwas protestiert. Ähnliches haben die Vereine und Staatsdiener auch seit Jahren beim deutschen Fußball vor. Statt Stehplatzfans und Ultras, die im Stadion gerne mal eine Kerze anzünden, wollen sie zahlungskräftige Familien und Geschäftskunden, die im Stadion die Fresse halten und schön die Merchandise-Palette leerkaufen. Rosafarbene Schals inklusive.

Danke, Karlsruhe. Euer Urteil ist ein Urteil gegen den Fußball-Fan und eins für Werbekunden, Investoren und Polizeiwillkür. Nachdem hierzulande die Gummiknüppel gegen Metallknüppel getauscht wurden und mit Pfefferspray rumgesprüht wird wie bei Douglas mit Patschouli, da kann man sich nur noch eins fragen: Wann schießt ihr endlich?

Offiziell Angst

Nur weil es einen nicht wundert, heißt es nicht, dass es einem keine Angst macht. Die Bundestagswahl 2009 ist das endgültige Indiz dafür, dass der deutsche Bürger erst handelt bevor er denkt. Die eigenen Interessen stehen, und das überrascht mich am wenigsten, weit mehr im Vordergrund, als die des ganzen Landes. Wie sonst lässt es sich erklären, dass eine Partei wie die FDP 15% der Stimmen bekommen? Eine Partei, die dafür steht, so gut wie jedes Wahlversprechen zu brechen und nur im Interesse der Lobbys zu handeln. Dass der Dax heute steigt, weil die Energiekonzerne sich eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke erhofft, spricht für sich. Aber nicht für uns.

Die FDP und CDU stehen seit Jahren für den Abbau von Bürgerrechten. Lauschangriff, Online-Durchsuchungen und das Zugangserschwerungsgesetz sind nur drei von unzähligen Auswüchsen machtgeiler Schlipsträger. Nichts deutet darauf hin, dass das von der FDP angepriesene Bürgerrecht in den nächsten Jahren geschützt und aufgebaut wird. Seit Jahren geht die Spirale bergab und zusammen mit der CDU wird die Umsetzung der kranken Pläne, wie die des Herrn Schäubles, durch den Bundestag gereicht, wie Hertha BSC durch die Bundesliga.

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Opium fürs Volk

Ein großes Thema ist bei mir zur Zeit die Personalisierung von Fußballtickets, die nicht nur bei Auswärtsspielen einschlägiger Mannschaften Einzug erhält, sondern auch bei Heimspielen des Hamburger SV und des VfL Wolfsburgs. eines meiner Gegenargumente war bisher immer, dass man bei Konzertkarten bisher noch keine Personalisierung “Genießen” durfte, was mit dem nicht vorhandenen Willen der Veranstalter zur Bekämpfung des Schwarzmarktes wiederlegt wurde. Das ändert sich nun, wenn man sich die Kartenpolitik der Toten Hosen anschaut. Für das Zusatzkonzert im Berliner SO36 haben sie sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen:

Um Schwarzhandel mit den Tickets auszuschließen muss bitte jeder Käufer einen Ausweis oder Führerschein dabei haben. Name und Ausweisnummer werden vor Ort auf dem Ticket eingetragen. Pro Person werden max. 2 Karten verkauft, allerdings muss der Käufer dann Ausweis oder Führerschein der zweiten Person dabei haben, damit auch das zweite Ticket personalisiert werden kann.

Natürlich handelt man damit nur zum Wohle aller, damit sie sich keine Karte zu überhöhten Preisen kaufen müssen. Man hat somit nämlich gar keine Chance mehr, sich eine Karte zu kaufen, sollte man in den für drei Stunden angesetzten Vorverkauf (20-23 Uhr) das Pech haben, keine Karte mehr abzubekommen. Dass man seine Personalausweisnummer auf die Karte schreiben muss, ist für mich nicht vertretbar. Für ein Clubkonzert sollte man nicht mit hochsensiblen Daten um sich schmeißen, was im Suff gerne mal mit einer Konzertkarte passieren kann. Auch nicht, wenn es für einen vermeintlich guten Zweck sein sollte.

Personalisierung von Konzerttickets ist nicht Punk Rock.

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